Unser Buchtipp: Verratenes Land

Mit „Verratenes Land“ erzählt Greg Iles nach dem letztjährigen Abschluss seiner erfolgreichen „Penn Cage“ – Reihe sein nächstes großes Südstaatenepos. Die Handlung seines neuesten, über 800 Seiten umfassenden Werks verortet der US-amerikanische Schriftsteller erneut im Bundesstaat Mississippi, genauer in der Kleinstadt Bienville, die nur wenige Kilometer von seiner Heimatstadt Natchez, die in seinen früheren Werken eine wichtige Rolle einnahm, entfernt liegt. Auch handelt es sich bei „Verratenes Land“ um weit mehr als einen klassischen Thriller.  Der 59-jährige Iles nutzt die klassische Ermittlungserzählung um Mord, Korruption und Intrigen, um die Zustände der Gesellschaft im Süden der USA und deren Entwicklung in den letzten Jahrzehnten näher zu beleuchten – was dem Bestsellerautor auch geradezu meisterhaft gelingt.

Verratenes Land – Inhalt

Nach über drei Jahrzehnten kehrt der erfolgreiche Journalist Marshall McEwan in seine Heimatstadt Bienville, Mississippi, zurück, um seine Mutter bei der Pflege des kranken Vaters zu unterstützen und die von seiner Familie geführte Zeitung zeitweise zu übernehmen. Aus dem kurzen Aufenthalt werden jedoch Monate, Monate in denen tief verschüttete Erinnerungen – der tragische Tod seines Bruders, die darauffolgenden Schuldzuweisungen und die Entfremdung von seinem Vater – immer mehr zutage treten.

Als dann auch noch die Leiche seines Ziehvaters, des Archäologen Buck Ferris, aus dem Fluss gezogen wird, der ihm auch seinen Bruder nahm, wird Marshall vollends von seiner Vergangenheit eingeholt. Doch er glaubt nicht daran, dass es sich bei Bucks Tod um einen Unfall handelt. Die Grabungen des bekannten Forschers hätten die Stadt, die auf Investitionen durch den Bau einer neuen Papierfabrik angewiesen ist, Milliarden kosten können, weshalb er sich nicht nur unter den Mächtigen von Bienville viele Feinde gemacht hat. Marshall ist sich sicher, dass es sich um eiskalten Mord handeln muss – doch wird er die Hintermänner, die seit Jahren die Geschicke der ganzen Stadt lenken, überführen können?

Verratenes Land – Ein vielschichtiger Spannungsroman

Zwar beginnt „Verratenes Land“ ganz „gewöhnlich“ mit einem Todesfall und den darauffolgenden Ermittlungen, doch bricht Greg Iles neuester Roman sehr schnell aus dem erwarteten Muster aus. Rückblicke in Marshalls Vergangenheit, seine tragische Jugend und spätere Schicksalsschläge, die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner, sowie deren komplexen Beziehungen zueinander sind ein essentieller Teil der Geschichte, über die man als Leser überaus detailliert aufgeklärt wird. All dies erlebt man wie eine Erinnerung aus der Perspektive des Journalisten, der teils nüchtern, teils emotional auf sein Leben zurückblickt. Trotz des enormen Umfangs von über 800 Seiten schafft Greg Iles es mit seiner flüssigen Schreibweise zudem, dass bei der Lektüre von „Verratenes Land“ keine Sekunde Langweile aufkommt und man ununterbrochen der nächsten Enthüllung entgegenfiebert. Ein großartiger Südstaatenroman, der sich auch perfekt als Einstieg in die früheren Werke von Greg Iles eignet.

Fazit: „Verratenes Land“ ist ein weiterer emotionaler und aufreibender Thriller aus der Feder von Greg Iles, der es schafft die Gesellschaft des US-amerikanischen Südens wie kein Zweiter zu portraitieren.

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