Unser Buchtipp: Stern des Nordens

Mit Stern des Nordens liefert der walisische Schriftsteller D.B. John einen großartigen Thriller ab, der Fiktion und Wirklichkeit gekonnt miteinander verwebt und zu einem schier unglaublichen Gesamtkonstrukt verwebt. In diesem gibt D.B. John, der selbst einige Zeit in Südkorea gelebt, eine Reise in den Norden der Halbinsel unternommen und an dem Werk „Schwarze Magnolie“ von Hyeonseo Lee mitgewirkt hat, Einblicke in eines der geheimnisvollsten Länder der Welt: Nordkorea. Die fiktive Handlung verbindet er dabei mit historischen Fakten und Ereignissen, die er im Anhang noch einmal genau erklärt. So vermittelt er dem Leser eindrücklich, dass das Beschriebene, nicht so weit von der Realität entfernt ist, wie man zunächst vielleicht vermuten mag.

Stern des Nordens – Inhalt

1998, Südkorea: Die junge Soo-min Williams, Tochter eines Amerikaners und einer Koreanerin, und ihr Freund verschwinden spurlos von einem Strand. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden ertrunken sind, doch ihre Familie - allen voran ihre Zwillingsschwester Jee-min (von allen Jenna genannt) - will nicht an einen Unfall glauben. Auch Jahre später hat das plötzliche Verschwinden noch immer tiefe Wunden in Jennas Leben hinterlassen. Als eine Spur darauf hindeutet, dass Soo-min nach Nordkorea verschleppt wurde, nimmt die hochintelligente Frau ein Angebot der CIA an, in das verschlossene Land zu reisen und ihre Schwester zu suchen.
Währenddessen wird der nordkoreanische Parteifunktionär Cho auserkoren in die USA zu reisen, um dort sein Land zu vertreten. Eine außergewöhnliche Ehre für den karrierebedachten und führungstreuen Oberst, der dennoch bei jedem Schritt darauf achten muss, sich keinen Fehler zu leisten. Denn bereits ein einziger unbedachter Fehltritt kann eine schwere Bestrafung nach sich ziehen und alles, was er liebt und woran er glaubt zerstören.
Die Bäuerin Frau Moon, die in der Provinz nahe der chinesischen Grenze lebt, kann von den Privilegien, wie Cho sie genießt nur träumen. Doch als sie unverhofft an etwas Geld gelangt, kann die clevere Dame ihr schweres Leben durch ihren Geschäftssinn ein wenig verbessern. Doch schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit des Regimes auf sich und gerät in große Gefahr...

Stern des Nordens – Unwirkliche Wirklichkeit

In drei Erzählstränge, die zunächst scheinbar nichts verbindet, teilt D.B. John die Handlung von Stern des Nordens auf. Dass jeder der drei Charakter den Leser sofort gleichermaßen an das Buch fesseln kann, zeigt aber das Meisterstück, das der Autor mit seinem Werk schafft. Die unvorstellbare und fremde Welt, wie man Nordkorea beinahe bezeichnen muss, in der sich die Charaktere bewegen, ist so faszinierend und (vermutlich auch aufgrund der Erfahrungen des Autors) realistisch beschrieben, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Mit Spannung verfolgt man als Leser die dramatischen Entscheidungen der Protagonisten und leidet die Unterdrückung, die diese unter dem Kim-Regime erleben, mit ihnen mit.

Fazit: Wer sich nach vollendeter Lektüre auch noch dem Anhang widmet, um zu sehen, was von den scheinbar erdachten Elementen tatsächlich der Realität entspricht, der wird Stern des Nordens gleich nochmal in einem gänzlich anderen Licht wahrnehmen.

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