Unser Buchtipp: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Zehn Wochen, zehn Verabredungen. Louise und Tom sind seit 15 Jahren verheiratet und es kriselt. Vor ihrer ersten gemeinsamen Sitzung bei einer Paartherapeutin treffen sich die beiden in einem Pub. Sie wollen sich kurz dazu austauschen, was sie gleich mit unparteiischer Hilfe angehen wollen – und reden gehörig aneinander vorbei:

„Ich will nicht davor wegrennen“, sagt Louise

„Nein. Natürlich nicht. Ich meine, egal, wie schlimm es auch laufen mag, es ist ja nur eine Stunde.“

„Oh. Nein. Ich meinte die Ehe, nicht die Beratung.“

„Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ ist der Versuch eines Paares, seine Ehe zu retten. Nick Hornby schreibt wie gewohnt lebensnah und mit jeder Menge Sprachwitz.

Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst: Inhalt

Louise und Tom haben scheinbar keine gemeinsame Zukunft mehr. Sie lassen sich auf eine Paartherapie ein und treffen sich kurz vor der ersten Sitzung in einem Pub, um den Termin zusammen vorzubereiten. Ein paar Minuten später macht Tom auf dem Weg zur Therapeutin auf dem Absatz kehrt und rennt weg.

Ob die Treffen in der Praxis tatsächlich stattfinden oder nicht? Das wird schnell zu Nebensache. Louise und Tom bringen ihre Probleme stattdessen Woche für Woche im Pub auf den Tisch, bei Bier und Weißwein. Ohne die Regeln professioneller Gesprächsführung servieren sie sich gegenseitig schlagfertige Antworten, meisterhaft verfasst von Hornby, der für seine aberwitzigen Zwiegespräche längst berühmt ist. Daher ist es nur logisch, dass der Autor fast ausschließlich Dialoge nutzt, um Toms und Louises Beziehung in „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ zu beschreiben. Mit dieser reduzierten Darstellungsweise gewährt er ungefilterte und eindrückliche Einblicke in eine Ehe: herzzerreißend, ehrlich und lustig zugleich. Kapitel für Kapitel entwickelt sich das Buch auf 160 Seiten zu einer Screwball-Comedy voller Pointen. Dabei verteilen Tom und Louise gezielte Seitenhiebe auf die politische Lage in Großbritannien. Vor allem der Brexit muss immer wieder Vergleichen mit einer Ehe standhalten, die kurz vor dem Ende steht. Oder gibt es für Tom und Louise eine Zukunft ohne Ausstieg aus der gemeinsamen Beziehung?

Bühnenreif und fernsehtauglich

Hornby schreibt nicht nur Romane, er hat außerdem als Drehbuchautor in den vergangenen Jahren Erfolge gefeiert. Und so ist es auch auch beim Lesen von „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ unmöglich, die Bilder im Kopf auszublenden. Hornby liefert eine Vorlage, die sich perfekt für eine filmische Umsetzung eignet. So überrascht es nicht, dass die zehnteilige Dialogreihe bereits vor Erscheinen des Buchs als Miniserie im britischen Fernsehen anlief.

Fazit: Nick Hornby erweist sich mit „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ als ausgezeichneter Beobachter. Die Gespräche zwischen Louise und Tom sind so aus dem Leben gegriffen, dass sich wirklich jeder, der selbst schon ein paar Jahre Ehe hinter sich hat, im Schlagabtausch der beiden Protagonisten wiederfindet.

Über den Autor: Nick Hornby

Nicholas Peter John Hornby hat sich als Nick Hornby längst einen Namen gemacht: als einer der wichtigsten Vertreter gegenwärtiger Popkultur und Popliteratur. Hornby ist nicht durch Zufall zum Schreiben gekommen. Der Schriftsteller wurde 1957 im südenglischen Redhill geboren und schlug schon früh eine klassische Autorenlaufbahn ein: Er studierte englische Literatur an einer der renommiertesten Universitäten der Welt, der University of Cambridge. Nachdem er 1992 eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlichte, gelang ihm im selben Jahr der Durchbruch mit seinem ersten Buch „Fever Pitch“, einem autobiografischen Essay. Mit „High Fidelity“ und „About a Boy“ folgten Bestseller, die auch als Verfilmung auf der Leinwand höchst erfolgreich waren. „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ ist der achte Roman des britischen Autors.

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