Unser Buchtipp: Die Nickel Boys

„Die Nickel Boys“ heißt der neue Gesellschaftsroman des mehrfach ausgezeichneten, US-amerikanischen Schriftstellers Colson Whitehead. Der 49-jährige Whitehead, der vor gut 20 Jahren seine Karriere als Autor begann, ist besonders seit seinem Werk „Underground Railroad“ aus dem Jahr 2016, in dem er sich mit dem Thema Rassismus in den USA während des 19.Jahrhunderts auseinandersetzte, ins Rampenlicht gerückt. Für diesen erhielt er nicht nur den National Book Award, sondern auch den Pulitzer-Preis für Belletristik und hielt sich über Monate hinweg auf der Bestsellerliste der New York Times. Auch in „Die Nickel Boys“ steht das Thema Rassismus, diesmal jedoch in den 1960er Jahren, im Mittelpunkt.

Die Nickel Boys – Inhalt

Der junge Elwood Curtis wächst bei seiner Großmutter in Frenchtown, Florida, auf. Als Afroamerikaner in den 60er Jahren bleiben dem cleveren Elwood, wie so vielen seiner Generation, viele Türen verschlossen. Er begeistert sich jedoch schon früh für die Reden von Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung und träumt davon einmal das College zu besuchen. Als fleißiger Arbeiter und Einser-Schüler gelingt es ihm mit der Unterstützung seines Lehrers auch tatsächlich sich für ein College einzuschreiben – doch nimmt sein Leben von diesem Moment an eine dramatische Wendung.

Per Anhalter beginnt Elwood seine Reise Richtung College, nichtsahnend, dass er in einem gestohlenen Fahrzeug sitzt. Als die Polizei das Auto anhält und einen Schwarzen darin vorfindet, ist für sie die Sache klar, und so landet Elwood unschuldig in einer Besserungsanstalt, der „Nickel Academy“. Hier sollen jugendliche Straftäter umerzogen und ausgebildet werden, doch in Wirklichkeit werden sie aufs Übelste misshandelt, gefoltert, ja sogar getötet. Das Leben an der Nickel Academy ist geprägt von Angst, Gewalt und Verzweiflung und Elwood erkennt schnell, dass er sich anpassen, den Regeln folgen muss und bloß nicht auffallen darf, um zu überleben. Und doch keimt ein Traum von Freiheit und Widerstand in ihm auf…

Die Nickel Boys – Eine erschreckend reale Erzählung

Viele Elemente der Geschichte, die Colson Whitehead in „Die Nickel Boys“ erzählt, könnten glatt aus einem Horrorfilm stammen. Tatsache ist jedoch, dass ein großer Teil der Handlung auf wahren Begebenheiten beruht, die in den letzten Jahren über eine 2011 geschlossene Schule in Florida ans Licht kamen. Mit diesem Wissen erzielt „Die Nickel Boys“ eine umso schockierendere Wirkung beim Leser, als wenn man einiges einfach als pure Fiktion abtun könnte. Das Schicksal des sympathischen Elwood Curtis, dem man vor, während und nach seiner Zeit an der Nickel Academy folgt ist hierbei natürlich am mitreißendsten. Jedoch hinterlassen auch andere Charaktere, wie etwa sein Mitschüler Turner, mit denen er sein Leid teilt und die ebenfalls unzählige Ungerechtigkeiten erleben, einen bleibenden Eindruck. Genauso eindrucksvoll ist auch die Art wie die gesellschaftlichen Zustände, die Normen und die sich anbahnenden Veränderungen beschrieben werden. Meisterhaft schafft Colson Whitehead es Parallelen zwischen dem Rassismus der Vergangenheit und dem der Gegenwart aufzuzeigen und seine Leser auf diese Art zum Nachdenken anzuregen.

Fazit: „Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead ist ein fesselnder Gesellschaftsroman, der sich schonungslos und schockierend mit dem Thema Rassismus auseinandersetzt und dabei eine mitreißende Lebensgeschichte erzählt, die noch lange Zeit nachwirkt.

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