Thomas Bernhard – Städtebeschimpfungen

„Die schönsten Gegenden in Österreich haben immer die meisten Nazis angezogen. Salzburg, Gmund, Altaussee – das sind nichts als Nazinester.“

„Für mich war Paris immer die hässlichste Stadt, die ich kenne. Eine verstaubte Wüste.“

„Die Stadt Chur ist eine der kältesten, die es gibt, die finsterste, die ich kenne, und die Graubündner sind tief- oder schwach- oder einfach widersinnig vor Finsternis und vor Kälte …“

Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard provozierte Zeit seines Lebens mit seinen Werken. Die vielen scharfzüngigen, polemisierenden Monologe seiner dramatischen Figuren stecken voller wortmächtiger Gemeinheiten. Seine Schimpftiraden gegen Städte hat der Bernhard-Kenner Raimund Fellinger vor zwei Jahren in dem Band „Städtebeschimpfungen“ gesammelt, die nun als kongeniale Lesung veröffentlicht wurden.

Städtebeschimpfungen - Thomas Bernhard vom Feinsten

Von A wie Altaussee über O wie Oslo bis W wie Wien werden Bernhards wüste Attacken auf alle möglichen Orte aus seinen Werken, Briefen und Reden alphabetisch geordnet versammelt. Österreich ist natürlich eine besondere Zielscheibe, doch auch viele deutsche Städte kriegen ihr Fett weg. In dieser Sammlung sind aber auch die Reaktionen darauf vereint, was das Ganze zu einem besonderen Hörerlebnis macht. So beschimpfte etwa 1974 eine Figur in Bernhards Theaterstück „Die Macht der Gewohnheit“ die Stadt Augsburg als Lechkloake – was den damaligen Oberbürgermeister prompt dazu veranlasst hat, einen empörten Brief an den Bernhard-Verleger Siegfried Unseld zu schreiben. Ohne Zweifel wirken Bernhards Tiraden am besten, wenn man sie hört, v.a. wenn zwei so begnadete Sprecher wie Peter Simonischek und Michael König am Werk sind. Simonischek darf in den Zitaten aus Bernhards Werk seine ganze Klasse ausspielen und mal verächtlich, mal wütend, mal angeekelt Rumätzen. Das macht ihm hörbar Spaß. Michael König dagegen stellt Dokumente (v.a. Zeitungsartikel und Briefe) über die legendären Bernhard-Skandale (auch das Augsburger Beispiel) vor, welche das Bild komplettieren.

Städtebeschimpfungen – ein böse-komischer Hörspaß

Bei über drei Stunden Laufzeit kommen hier ganz schön viele Hasstiraden zusammen. Man sollte „Städtebeschimpfungen“ also zum einen nicht allzu ernst nehmen, und zum anderen lieber nicht am Stück durchhören. Aber in kleineren Dosierungen ist das Hörbuch ein köstlicher Spaß, der von Peter Simonischek und Michael König hervorragend interpretiert wird.

Kommentar schreiben



ähnliche Beiträge
Unser Hörtipp: Ute Krause – Die blöde Sache mit dem Ei
Unser Hörtipp: Robert Galbraith – Weißer Tod