Michael Tsokos – Zerschunden

Die spannendsten Thriller und Kriminalromane stammen von Autoren, die aufgrund ihres beruflichen Backrounds ganz genau wissen, wovon sie berichten. Zum einen ermöglicht es ihnen die tägliche Arbeit, Fälle kennenzulernen, von deren Elementen ihre späteren Werke profitieren und auf denen sie häufig auch basieren. Zum anderen bringen sie aufgrund ihrer enormen Fachkompetenz das nötige Wissen mit, um etwas authentisch und zugleich fachlich korrekt aufzuschreiben. Michael Tsokos ist das allerbeste Beispiel. Seine bisherigen Schriften realer und fiktiver Natur waren allesamt sehr spannend. Das gilt auch für seine neue True-Crime-Reihe um Rechtsmediziner Fred Abel. „Zerschunden“ ist der erste Teil – er wird von Simon Jäger gelesen. Anfang April erscheint mit „Zersetzt“ die Fortsetzung.

Zerschunden – Ein Mörder, der eine Botschaft hinterlässt

In Berlin wird eine Rentnerin Opfer eines Raubmordes. Ein dunkelhäutiger Halunke ist ihr hinterhergelaufen, hat sie in die Wohnung gestoßen, getötet und Hab und Gut mitgehen lassen. Es riecht nach einem typischen so genannten Nachläufer, doch eine sonderbare Botschaft lässt Böses erahnen. Auf ihrem Leib steht „Respectez Asia“. Das ist nicht nur grammatikalisch falsch, sondern auch jene Botschaft, die sich später in „Zerschunden“ auch auf der Haut einer Britin und einer Italienerin findet – ein Serientäter. Fred Abel, Rechtsmediziner und ein Guter seiner Zunft, wird mit dem Fall betraut und steigert sich aufgrund einer persönlichen Bindung zum Hobbyermittler. Ein Kumpel aus der Bundeswehrzeit scheint als Täter in Frage zu kommen, hat kein Alibi, passt auf die Beschreibung und den Haplotypen, den Abel vom Täter rekonstruieren konnte, wenngleich das lediglich die Auswahl an potenziellen Mördern einengt, jedoch keinesfalls auf nur einen hinweist.

„Zerschunden“ von einem Psychopathen

Angesprochener Lars Moewig gilt als Raubein, der anders als Abel nach der Bundeswehr nicht richtig den Anschluss fand. Er war zu den jeweiligen Tatzeiten in Berlin und auch in London. Dass er auf das Profil passt, reicht Polizei und Staatsanwaltschaft, um ihn hinter Gitter zu bringen. Das kommt zum sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn seine kleinen Tochter Lilly leidet an Leukämie, hat nur noch wenige Tage zu leben. Abel verspricht seinem Kumpel, an dessen Unschuld er auch etwas zweifelt, sein Bestes zu geben. Genau das erleben wir dann auch. Er jettet dem Täter hinterher. Den vierten Mord begeht er in Paris und exakt da kommt es auch zum Showdown zwischen dem Psychopathen, der in „Zerschunden“ sein Unwesen treibt und einem Protagonisten, bei dem man nicht zu Unrecht Tsokos selbst vor Augen hat.

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