Jojo Moyes – Über uns der Himmel, unter uns das Meer

Ganz ehrlich: Niemand, der schon einmal einem Hörbuch von Jojo Moyes gelauscht hat, dürfte beim Titel ihres aktuellen Stücks verwundert sein. Die Britin steht für einfühlsame Lektüre und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der letzten Jahre. Ihre Romane, in denen es stets um besondere Schicksale von allgemeingültiger Natur ging, haben allesamt mir sehr viel Gefühl und Authentizität überzeugen können. So ist es auch bei „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ – einer Geschichte über eine Frau, die nicht loslassen, aber auch nicht bleiben kann.

Sie befinden sich auf dem Meer und über ihnen ist der Himmel

In den 490 Hörbuchminuten, bei denen Luise Helm die Zeilen von „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ eingesprochen hat, geht es um eine Schiffsreise, die Jahrzehnte vor unserer Zeit liegt. Es ist das Jahr 1946. Der Weltkrieg ist vorüber, doch noch immer zeigen sich die Folgen der verheerenden Auseinandersetzungen an allen Ecken. 600 Frauen sollen von Australien nach Großbritannien reisen, zurück in ein Leben mit Ehemann oder Verlobtem. Unter den Reisenden sind auch eine 16-Jährige namens Jean, eine Farmertochter namens Maggie und die aus betuchtem Hause stammende Avice. Viele von ihnen wissen gar nicht, was sie erwartet. Zu tiefe Wunden hat der Krieg verursacht, zu viel Unklarheit in das Leben aller gebracht. Am deutlichsten spürbar wird das bei Protagonistin Francis, die mit den anderen drei in einer Kajüte schläft.

In „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ finden sich zwei Gleichgesinnte

Anders als die anderen lässt Francis nur wenig Gefühle nach außen dringen. Sie verschließt sich sämtlichen Gesprächen, lässt niemanden an sich heran. Einzig ein Marineoffizier scheint Zugang zu ihr zu finden. Nur besagter Kapitän Henry Nicols versteht sie. Das liegt auch daran, dass er der einzige Akteur in „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ ist, der ähnlich schreckliche Erfahrungen hinter sich hat wie Francis. Auf dem Schiff werden beide davon eingeholt, wobei nie ganz klar ist, ob sie wirklich wieder zurück in ihr altes Leben wollen.

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