John Irving – Straße der Wunder

Seit seinem Durchbruch mit „Garp und wie er die Welt sah“ landen John Irvings Romane regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Nicht nur "Garp", auch "Hotel New Hampshire" oder "Gottes Werk und Teufels Beitrag" wurden erfolgreich verfilmt. Und in all diesen beliebten Geschichten greift der große Erzähler immer wieder die gleichen Motive auf: vaterlose Kinder, groteske Unfälle, Schriftstellerei, Transsexualität, Religion und Krankheit.

Auch in seinem neuesten Werk „Straße der Wunder“ erkennt man als Irving-Leser die Kern-Themen des amerikanischen Autors sofort wieder.

Von der mexikanischen Müllkippe nach Iowa

„Straße der Wunder“ erzählt die dramatische Geschichte des mexikanischen Müllkippenkindes und späteren Erfolgsschriftstellers Juan Diego Guerrero, der sich mit seiner hellsichtigen Schwester Lupe aus ärmlichen Verhältnissen zu retten versucht. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen: In der Gegenwart ist Juan Diego ein gefeierter Schriftsteller mittleren Alters, der in den USA lebt, aber endlich ein lange gegebenes Versprechen einlösen will und eine Reise auf die Philippinen antritt. In seinem ersten Leben im mexikanischen Oaxaca hat er nämlich dem „Gringo bueno“, einem vor dem Einberufungsbefehl geflüchteten Amerikaner, versprochen, das Grab dessen Vaters in Manila zu besuchen. Diese Szene und weitere Erlebnisse aus Juan Diegos Jugend bilden die zweite Zeitebene des Romans. Immer wieder driftet der Schriftsteller nämlich auf seiner Reise in Träume ab, in denen er die wichtigsten Ereignisse seiner Kindheit erneut erlebt. V.a. das Zusammentreffen mit dem amerikanischen Jesuiten Eduardo und der transsexuellen Prostituierten Flor, die schließlich seine Adoptiveltern werden und ihn nach Iowa mitnehmen, spielen in Juan Diegos Erinnerungen eine große Rolle. Aber auch, wie er seine geliebte Schwester Lupe verlor.

Magisch und spannend erzählt

„Straße der Wunder“ mag sich durch diese zahlreichen Erinnerungsschleifen zunächst etwas schleppend in Gang setzen, aber die farbenprächtigen Ausflüge in die mexikanische Vergangenheit des Protagonisten und seine Erlebnisse in der Gegenwart mit den beiden Zufallsbekanntschaften Dorothy und Miriam, die ihm vom New Yorker Flughafen weg wie Groupies folgen, verknüpfen sich schließlich doch zu einem amüsanten Reigen mit Irving-typischen skurrilen Szenen. In denen kann der ausgezeichnete Sprecher Johannes Steck sein Talent voll zur Geltung bringen. Er verleiht in der ungekürzten Lesung allen Protagonisten eine eigene Stimme, hat ein Gespür sowohl für die slapstickhafte Komik als auch leise Tragik in Irvings Geschichte und erweist sich als ideale Stimme für diesen fabulierfreudigen Erzähler.

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