Jo Nesbø – Das Versteck

Es ist keinesfalls leicht, wenn der Erfolg einen verwöhnt, sich von den Garanten für ebendiesen zu lösen. Im Fall des norwegischen Schriftstellers Jo Nesbø mag es den mit Kriminalromanen bestens bekannten Leser schon ein wenig verwirren, dass der Protagonist nicht Harry Hole heißt. Im ersten Werk seiner neuen Blood on Snow Reihe, „Der Auftrag“, hat er aber durchaus unter Beweis gestellt, dass er auch anders und ohne den beliebten Ermittler schreiben kann. „Das Versteck“ ist die Fortsetzung des ersten Bandes, der Akteur wechselt, ist jetzt nicht mehr Profikiller, sondern Geldeintreiber. Der Spannungsfaktor aber ist nahezu unverändert und sagenhaft hoch.

Das Versteck – Wenn der Kleinkriminelle seinen großen Boss betrügen will

Ulf ist unzufrieden mit seiner Gesamtsituation. Sein Lohn, den er als Geldeintreiber für den „Fischer“ verdient, ist zwar schnell gemachtes Geld. Letztlich aber nur ein Bruchteil des Möglichen. Als er das endlich erkennt, reift ein Plan in ihm. Er möchte den „Fischer“, wohlgemerkt der mächtigste Drogenboss in ganz Oslo, über den Tisch ziehen. Es ist nicht überraschend, dass dieser davon herzlich wenig hält und sofort die Jagd auf seinen früheren Mitarbeiter eröffnet. Weil der „Fischer“ ihm sämtliche Killer auf den Hals hetzt, benötigt der Gejagte „Das Versteck“, das sein Leben garantiert.

„Das Versteck“ ist rasant, prickelnd und ultraspannend

Er hat weniger Intelligenz, eigentlich nicht den Mut und auch nicht das Knowhow, wie man so einen Plan tatkräftig umsetzt. „Das Versteck“ ist ein typischer Fall von Größenwahn. Eine Geschichte, in der sich der kleine Wicht gegen den alles Überragenden auflehnt. Eigentlich ein ungleicher Kampf. Doch Ulf entpuppt sich als Charakter, mit dem der Zuhörer sich im Verlauf der sechs Stunden Erzählung immer mehr anfreundet und teilweise identifiziert. Es steckt nämlich noch einiges mehr in ihm, als das, was man ursprünglich vermutet hat. „Das Versteck“ ist ein prickelnder Thriller über Ganoven mit sehr viel Tempo und reichlich spannenden Elementen. Simon Jäger erweist sich als geübter Sprecher und sorgt für riesige Unterhaltung.

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