Günter Grass – Die Blechtrommel geht von uns

Günter Grass

Günter GrassEr zählte ohne Frage zu den ganz Großen der Deutschen Literatur. Der Nobelpreis in eben diesem Genre im Jahr 1999 ist Beweis genug dafür, dass der 1927 in Danzig geborene auch internationales Interesse auf sich zog. Gleich mit seinem Erstlingsroman gelang ihm der große Durchbruch als Schriftsteller. Die folgenden Jahrzehnte sollten seinen Einfluss mehren. So sprach man auch nach der Jahrtausendwende noch oft über einen der letzten großen Autoren, die unser Land noch immer zu dem der Dichter und Denken machen. Zumal es 2006 ein Autobiographie gab, mit der er noch immer überraschen konnte. Günter Grass hat polarisiert, er wird es auch nach seinem Tod am heutigen Montagmorgen tun, denn „Die Blechtrommel“ dieses Mannes wird auch weiterhin Lärm machen.

Günter Grass – Ein Literat, der polarisiert

Schriftsteller sind zu einer bestimmten Zeit immer dann erfolgreich, wenn sie etwas schreiben, das einem breiten Publikum gefällt. Man liest sie in Hülle und Fülle, doch wenn sie einmal nicht mehr unter uns weilen, geraten viele von ihnen in Vergessenheit. Anders ist das bei Querdenkern. Leute, die unterhaltsam schreiben und ebenso viele Leser für sich gewinnen können, aber aufgrund ihres Schreibens und der dort vorgestellten Ansichten auch durchaus Gegenstimmen heraufbeschwören. Günter Grass war so einer und das macht ihn zu einem Autor, den man nach seinem Tod eben nicht so schnell vergessen wird. Günter Grass hat auf der politischen Bühne immer mal klare Worte gefunden, sich beispielsweise gegen die Wiedervereinigung ausgesprochen und als Mitglied der SPD schon mal gegen die großen Pfeiler seiner Partei geschossen. Aus Protest gegen den Asylkompromiss ist er 1992 aus der Partei ausgetreten, hat sich aber danach vehement politisch engagiert und beispielsweise für die Vermögenssteuer plädiert. Viel Lärm machten auch seine Werke, denn trotz allem politischen Wirken wird Grass in erster Linie als sehr besonderer Literat in unserer Erinnerung bleiben. Thematisch widmete er sich oft dem Nationalsozialismus und dort primär der Schuldfrage. Mit seiner autobiographischen Schrift „Beim Häuten der Zwiebel “ stellte er 2006 richtig, dass er sich freiwillig für die Waffen-SS meldete und keinesfalls gezwungen wurde.

Günter Grass - Die Blechtrommel ist nach wie vor sein größtes Stück

Erst 40 Jahre nach der Veröffentlichung von „Die Blechtrommel“ erhielt Günter Grass von der Akademie den längst überflüssigen Nobelpreis für Literatur. Es war der Höhepunkt einer Karriere, deren Weg von zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen gepflastert wurde. So herausragend die späteren Schriften auch sind, „Die Blechtrommel“ wird auf ewig dasjenige Werk sein, das mit Günter Grass verbunden wird. Zu Recht, wohlgemerkt. In der Erzählung zeigt Grass seine Sicht auf fünf Jahrzehnte deutsche Geschichte, vom Jahr 1899 bis zur Gründung der Bundesrepublik. Es sind bewegende Jahre für Deutschland und Jahre, die Grass aus der Sicht des infantilen Oskar Matzerath erklärt. Dieser beschreibt mit seinen Worten die Erwachsenenwelt und alle Dinge, die in dieser geschehen. Dabei ist immer seine magische Blechtrommel, die es ihm ermöglicht, von Ereignissen Kenntnis zu gewinnen, bei denen er nicht selbst zugegen war. Genau das hat Günter Grass für eine Vielzahl der heutigen Menschen gemacht. Er ist „Die Blechtrommel“, die uns lautstark davon berichtet hat, was in Deutschlands wohl bedeutendstem Jahrhundert geschehen ist.

1 Kommentar
  • Stefan
    Apr 14,2015 at 11:40

    Ruhe in Frieden Günter. Und schon wieder einer der Großen ist verstorben…Auch wenn man kein Freund von ihm war, so war er doch auch Querdenker, der sich einiges traute zu sagen, wo andere lieber den Mund gehalten haben. Stefan

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