Die Guantanamo-Tagebücher – Unser Buchtipp

Slahi - Die Guantanamo-TagebücherDie Guantanamo Bay Naval Base ist einer der am meisten diskutierten Stützpunkte der US Army und zugleich derjenige, um den sich die meisten Mythen erheben lassen. Seit mehr als einem Jahrhundert sind hier Amerikaner stationiert. Teil der Base ist heute auch das berühmt berüchtigte Gefangenenlager, in das seit 2002 fast 800 Menschen eingeliefert wurden. Wer dorthin kommt, muss wirklich schwere Verbrechen verübt haben oder zumindest den nachvollziehbaren Anschein einer ernsten Bedrohung zulassen. Attribute, die man Mohamedou Ould Slahi attestierte und die der Grund dafür waren, dass man ihn lange Zeit zu Unrecht hinter den Gittern gefangen hielt. Mit „Die Guantanamo-Tagebücher“ zeigt er seine Sicht. Es ist das erste Schriftstück eines dort eingesperrten Häftlings.

Die Guantanamo-Tagebücher dokumentieren den Kampf gegen den Terrorismus

Der 11. September 2001 ist ein Datum, das nicht nur in der amerikanischen Geschichtsschreibung auf ewig verankert sein wird. Der grausige Terroranschlag sorgte für ein globales Umdenken, für eine veränderte Strategie im Umgang mit dem Terror. Mohamedou Ould Slahi hat das am eigenen Leib erfahren. Er ist einer, der den ganzen Zorn des damaligen US-Präsidenten Bush zu spüren bekam und einer, der jahrelang dafür büßen musste, was andere getan hatten. Slahi galt als einer der Hauptverdächtigen des 11. September. Obwohl ihn ein Gericht freisprach, saß er hinter Gittern und erlebte dort, wie man mit mutmaßlichen Attentätern umgeht. „Die Guantanamo-Tagebücher“ sind seine sehr detailierten Beschreibungen der Tage in Haft. Sie zeigen einen Alltag voller Folter, Peinigung und des abgrundtiefen Hasses.

Der faire Bericht eines Gefangenen aus Guantanamo

2005 begann Mohamedou Ould Slahi mit dem Aufschreiben und Erzählen der Erfahrungen, die er seit seiner Festnahme gemacht hat. Er blickt dabei auf Verteidigungsminister Rumsfeld, der einzelne Übergriffe autorisierte, er schildert den Umgang mit ihm und thematisiert das Handeln von Regierung und Geheimdiensten. Obwohl er, so viel steht heute juristisch fest, zu Unrecht zum Verdächtigen erklärt wurde und viel Grausames erlebte, sind „Die Guantanamo-Tagebücher“ keine Racheschrift, sondern ein Bericht, der auf fairem Umgang und, man möchte es kaum glauben, sogar Verständnis basiert. Das zu lesen, stimmt einen recht nachdenklich. Schließlich problematisiert das Werk ein Thema, zu dem die wenigsten klar Stellung beziehen – Was ist im Kampf gegen den Terrorismus erlaubt und was nicht?

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