Er ist wieder da – Unser Filmtipp

Er ist wieder daOffiziell starb Adolf Hitler am 30. April 1945. Es waren die letzten Tage des verheerenden Zweiten Weltkrieges. Die Würfel waren bereits gefallen, die Sieger standen fest. Und dennoch starben auch in jenen Tagen, in denen klar war, dass seine ganz persönliche Mission scheitern würde, unglaublich viele Menschen. Mit dem Tod des „Führers“ verschwand das tragende Symbol des Nationalsozialismus von der Bühne – der Weg hin zum Frieden war geebnet. Nun, siebzig Jahre später, leben wir in einem weitgehend friedlichen europäischen Bündnis. Der Schrecken von damals gehört der Vergangenheit an, auch wenn wir ihn natürlich niemals vergessen dürfen. Das bietet Raum, das Thema kulturell aufzuarbeiten. Timur Vermes hat mit seinem Roman „Er ist wieder da“ eine Politsatire verfasst. Ein Buch, das zur Diskussion anregte. Ab dieser Woche gibt es den Hitler im 21. Jahrhundert auch im Kino zu sehen.

Er ist wieder da und zieht Massen in seinen Bann

Es ist Sommer 2011, als ein gewisser Adolf Hitler (Oliver Masucci) auf einem Grundstück mitten in Berlin aufwacht. „Er ist wieder da“ und noch immer der gleiche, doch die Zeiten haben sich verändert. Kein Krieg, keine NSDAP, keine Eva Braun und vor allem eine multikulturelle Gesellschaft im Zentrum der Hauptstadt. Weil die Leute nicht ahnen, wer da vor ihnen steht und sie ihn für einen genialen Komiker halten, startet er eine Fernseh-Karriere und gewinnt zahlreiche Bewunderer. Von Journalisten über Kleintierzüchter bis hin zu waschechten Neonazis ist jeder fasziniert von dem Kerl, der wie Hitler ausschaut und seinen Sprachduktus besser einverleibt hat als jeder vor ihm. Doch er ist alles anderes als eine bloße Witzfigur und nach und nach blickt durch, dass auch die heutige Menschheit noch längst nicht sicher vor wortgewandten Demagogen ist. David Wnendt, der sich schon an den viel diskutierten Bestseller „Feuchtgebiete“ wagte, zeigt das mit seiner zweiten Romanverfilmung und fängt die Botschaft von Timur Vermes in vielen sehr gelungenen Einstellungen ein.

„Er ist wieder da“ - Wnendt zeigt den aktuellen Medienwahnsinn

Hitler erntet für seine Szenen und öffentlichen Auftritte großen Beifall und unzählige Facebook-Likes. Er wird zum gigantischen Medienereignis, dem sich niemand so recht entziehen kann. Regisseur Wnendts Idee einer szenischen Umsetzung von Vermes Roman zeigt die Faszination sowie unsere heutige Abhängigkeit, gerade von sozialen Medien, und ist keinesfalls aus der Fiktion oder nur auf Grundlage des Buches entstanden. Teilweise hat er mit versteckter Kamera in Berlin gedreht, die Reaktionen auf Adolf Hitler kann man im Film sehen. Die Unterschätzung dieser Massenhysterie ermöglicht dem früheren Reichskanzler einen kometenhaften Aufstieg, öffnet ihm längst geschlossen gedachte Türen. Neben Masucci, der sich als geeigneter Darsteller Hitlers erweist und natürlich alle anderen Rollen überragt, tragen auch Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Fabian Busch und Lars Rudolph als Nebendarsteller zum Erfolg des Films bei.

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