Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse – Kategorie Übersetzung

Joan Sales

In exakt 13 Tagen ist es so weit. In der wundervollen Glashalle mitten in Leipzig wird der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. In den vergangenen zwei Wochen haben wir bereits auf die einzelnen Nominierten in den Kategorien Belletristik und Essayistik/ Sachbuch geschaut. Heute schließen wir unsere Reihe mit den Kandidaten und blicken auf die fünf Finalisten im Bereich Übersetzung.

Joan SalesKirsten Brandt: „Joan Sales – Flüchtiger Glanz“

Verrat, Liebe, der Tod – die Trias, die Sales in einem der großen Romane des 20. Jahrhunderts integriert, bewegt den Leser und ist dank Kirsten Brandt nun endlich vom Katalanischen ins Deutsche übertragen worden. „Flüchtiger Glanz“ dreht sich um Protagonist Lluis, der das Chaos Barcelonas hinter sich lässt und zum Kampf in die Berge zieht. Er begibt sich in Gefechte, in denen es keine Sieger gibt, weder körperlich noch psychisch.

Richard FordFrank Heibert: „Richard Ford – Frank“

Richard Ford ist einer der großen Erzähler unserer Tage. Sein Werk „Frank“ wurde vom Titel-Namensvetter Frank Heibert übertragen. Der Akteur Frank Bascombe, ein mürrischer Melancholiker, wird auf eine Reise geschickt. Eine Reise, deren Ziel sehr ungewiss ist. Auf dem Weg wird er mit Exfrauen und späten Beichten, mit Katastrophen und sehr verstörenden Begegnungen konfrontiert. Auch aufgrund des äußeren Rahmens eine mehr als traurige Atmosphäre.

Bora CosicBrigitte Döbert: „Bora Cosic – Die Tutoren“

Es gibt einige serbische Autoren, die es wirklich wert sind, gelesen zu werden. Die wenigsten sind international derart bekannt wie Bora Cosic. Brigitte Döbert hat sich dem Werk „Die Tutoren“ gewidmet und ein echtes Meisterstück hingelegt. Ganz ähnlich wie Joyces „Ulysses“ in Irland ist dieses experimentelle Stück der Sprachästhetik aus der Historie des Landes nicht heraus zu denken. Dabei schreibt Cosic nur über das ganz Alltägliche, dies aber mit großer Klasse.

Emmanuel CarrereClaudia Hamm: „Emmanuel Carrere – Das Reich Gottes“

Emmanuel Carreres Werk „Das Reich Gottes“ trägt einen sehr monumentalen Titel. Das zeigt sich auch im Inhalt. Umso höher ist die Leistung von Übersetzerin Claudia Hamm einzuschätzen. Es geht letztlich um die Gretchenfrage. Wie stehen das Abendland bzw. seine Bewohner zur Religion. Carrere hat es untersucht und zeigt mit viel Ironie und Gerissenheit, wie wir in der Antike begannen, auf jene zu vertrauen, von denen uns Geschichten berichten.

Michaeil OssorginUrsula Keller: „Michail Ossorgin – Eine Straße in Moskau“

Ursula Keller hat viel Arbeitszeit dafür verwendet, Michail Ossorgins Stück „Eine Straße in Moskau“ zu übersetzen. Da kann sich der Leser schon vor dem Lesen seine ganz eigene Vorstellung machen. Jeder, der mal in der russischen Hauptstadt war, findet eigene Assoziationen. Der Roman stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert, als der Autor seine Heimat verlassen musste. Er beschreibt eine kleine Seitenstraße mitten im Moskauer Zentrum – beeindruckend und unterhaltsam zugleich.

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