Die Känguru-Trilogie von Marc-Uwe Kling – Unser Buchtipp

Die Känguru-Trilogie

Die Känguru-TrilogieMan kann ernst über das Thema Politik schreiben und Dinge ansprechen, die nicht so gut laufen. Dinge, die man verbessern muss. Man kann es aber auch wie Kabarettist Marc-Uwe Kling machen und Verbesserungswünsche sowie Zustandsanprangerungen auf komische Art und Weise vermitteln – durch die Stimme eines Kängurus. Genau das hat Kling zu einem sehr angesagten Erzähler gemacht. Leicht kommunistisch angehaucht ist sein Beuteltier die neue große Identifizierungsfigur für den politischen Rebellen. Mit „Die Känguru-Trilogie“ gibt es jetzt endlich auch all seine drei Einzeltexte als vollständige Sammlung – Ein Manifest mit herausragender literarischer Note.

Die Erfolgsgeschichte des Kängurus begann im Jahr 2009

Marc-Uwe Kling hatte bereits eine gewisse Anerkennung in der Szene zu verbuchen, als der eigentliche Liedermacher und Kleinkünstler sich dazu aufschwang, Politik über eine tierische Stimme zu vermitteln. 2009 kam dann unter dem Titel „Die Känguru-Chroniken“ das erste Buch heraus, nachdem bei Radio Fritz bereits wöchentlich neue Episoden des Titelhelden durch die Funkanlagen liefen. Besonders erfolgreich war der Erstling neben der Buchfassung auch in der Hörbuchversion. Zwei Jahre später präsentierte Kling mit „Das Känguru-Manifest“ dann Band Nummer 2 und spätestens hier wurde auch im Titel klar, welche politische Gesinnung dem Ganzen zugrunde liegt. Offiziell verabschiedete sich das redselige Känguru im Frühjahr 2014 mit „Die Känguru-Offenbarung“. So ganz begraben haben Fans die Hoffnung auf weitere Fortsetzungen aber nicht. Bis dahin vertröstet sie der Blick in „Die Känguru-Trilogie“, die nun als Sammlung zu haben ist.

Da steht ein Känguru vor der Tür

Nein, kein Pferd, sondern ein Känguru steht plötzlich vor der Kreuzberger Tür von Marc-Uwe Kling. Der Gast möchte sich Eier leihen, für ein paar Eierkuchen. Natürlich wundert sich Herr Kling über den Besuch, steht doch da ein sprechendes Tier vor ihm. Er reagiert hervorragend und erfüllt dem Nachbarn den Wunsch. Kurze Zeit später schellt es wieder, jetzt werden Salz, Öl, Milch und Mehl benötigt. Auch eine Pfanne gibt es nicht, einen Herd ist irgendwie auch nicht vorhanden. Kling bittet das Känguru in die Küche und schon bilden die beiden eine Wohngemeinschaft, in der sich intensiv über Politik unterhalten wird. Das Känguru outet sich als Kommunist und genau darum geht es in der gesamten „Känguru-Trilogie“. Die beiden philosophieren über den Staat und den Glauben, Marx, Brecht und den Vietcong, über den Kapitalismus und über die RAF. Allein der Werdegang des Beuteltiers ist schon ein Stück politische Geschichte. Nach eigener Aussage hat es im Vietnamkrieg gekämpft und kam Ende des Krieges mit seiner Mutter als Vertragsarbeiter in die Deutsche Demokratische Republik. Auf dieser Grundlage aufbauend schafft Kling eine wirklich interessante, dreigliedrige Geschichte, die mit viel wörtlicher Rede und einigen ernsten, aber auch weniger ernst gemeinten Dialogen gespickt ist.

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