Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015

Zaimoglu - Siebentürmeviertel

Seiler - KrusoDer Gewinn von Lutz Seiler im vergangenen Jahr war keine wirkliche Überraschung. Dafür überzeugte sein autobiographischer Roman „Kruso“ über den Sommer des Jahres 1989 auf der Insel Hiddensee einfach auf zu vielen Ebenen. So ging der zehnte Deutsche Buchpreis letztlich an den bereits vorab als Favorit deklarierten Thüringer. In diesem Jahr scheint das Rennen ein wenig ausgeglichener. Seit ein paar Wochen stehen die zwanzig Werke der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 fest. Sie sind eine Selektion von insgesamt 199 gesichteten Titeln, mit denen sich die siebenköpfige Jury um Sprecherin Claudia Kramatschek in den letzten Monaten beschäftigt hat. Am nächsten Mittwoch wird ihre Auswahl weiter eingegrenzt. Dann nämlich wird die Shortlist bekanntgegeben und jene sechs Autoren vorgestellt, die sich Hoffnungen darauf machen können, am 12. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet zu werden.

Zaimoglu - SiebentürmeviertelDie Longlist ist vielseitig, ein klarer Favorit ist nicht dabei

Selten zuvor war es so ungewiss, wessen Name bei der Preisverleihung des am besten dotierten Literaturpreises final fällt und wer sich dann am 12. Oktober gegen 19 Uhr an das Rednerpult stellen darf, um seine Laudatio zu halten. Kramatschek bezeichnete die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 als „eine aufschlussreiche Landkarte“. Sie bilde „die Vielfältigkeit und Vielstimmigkeit der deutschsprachigen Literatur ab“. Damit lässt sich das Ensemble in der Tat recht gut zusammenfassen. Die Werke thematisieren vieles – das individuelle Schicksal einer Tschernobyl-Heimkehrerin wie Alina Bronskys „Baba Dunjas letzte Liebe“, das Leben im Istanbuler Armenviertel wie Feridun Zaimoglus „Siebentürmeviertel“ oder jenes im tiefen Hinterland Afghanistans wie Steffen Kopetzkys „Risiko“. Es gibt Vertreter für große und kleinere Verlagshäuser, Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Letztlich ist die Longlist eine wirklich breit gefächerte Auswahl, deren einzelnen Elementen lediglich zwei Dinge gemein sind. Sie sind alle zwischen Oktober 2014 und dem 16. September 2015 erschienen bzw. erscheinen noch und ringen nun um 25.000 Euro Preisgeld.

Setz - Die Stunde zwischen Frau und GitarreEin alter Bekannter und eine Frau, die an die 68er erinnert

In der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 tauchen einige weniger bekannte Namen auf, dafür aber auch welche, die in der Literaturszene bereits bestens bekannt sind. Clemens J. Setz beispielsweise gilt als heißer Anwärter für einen Platz unter den sechs Finalwerken. Seine Schrift „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ wäre nämlich nicht das erste Werk des Autors, dem diese Ehre zuteil wird. Sowohl mit „Die Frequenzen“ als auch mit „Indigo“ war Setz bereits auf der Shortlist vertreten. Der ganz große Wurf gelang ihm noch nicht, vielleicht aber ja in diesem Jahr. Darauf hofft auch Anke Stelling mit „Bodentiefe Fenster“. Ihr Roman bringt die 68er-Generation zurück und liest sich derart unterhaltsam, dass eine Finalteilnahme nicht unmöglich scheint. Doch die Konkurrenz ist stark und letztlich besteht die realistische Chance für alle zwanzig Vertreter, die sich zu einer wahnsinnig starken Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 zusammengefügt haben.

Kommentar schreiben



ähnliche Beiträge
Unser Buchtipp: Ich bin die Rache
Unser Buchtipp: Hinter den Türen