Ursula Krechel gewinnt mit „Landgericht“ den Deutschen Buchpreis 2012

LandgerichtAm gestrigen Abend begrüßte Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, der Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die rund 300 Gäste im Kaisersaal des Römer mit dem Hinweis, dass Literatur vor allem Mut braucht. Wenig später stand auch fest, wer in diesem Jahr den größten Mut bewiesen hat. So entschied sich die Jury abschließend für das Werk Landgericht“ von Autorin Ursula Krechel. Die 64-jährige Wahlberlinerin konnte sich dadurch nicht nur gegen die starke Konkurrenz durchsetzen, sondern erhält neben dem Titel auch ein Preisgeld von 25.000 Euro. Die Freude darüber war ihr ebenso anzusehen wie die Tatsache, dass die Auszeichnung durchaus ein wenig überraschend kam.

Krechel - LandgerichtDie Vergangenheit lässt sich nicht löschen

Es ist eine bewegende Geschichte, die Krechel dem Leser in „Landgericht“ vorstellt und eine, die man durchaus als mutig beschreiben darf. Eingeführt werden wir mit dem Schicksal des jungen Anwalts Kornitzer, der im frühen 20. Jahrhundert zunächst auf der Karriereleiter hochspaziert. Auch privat scheint es zu laufen, heiratet er doch 1930 seine große Liebe Claire, die ihm in der Folge zwei Kinder schenkt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten jedoch wendet sich das Blatt für Kornitzer und seine Familie. Dem Juden von Hitlers Gnaden, als der er sich selbst bezeichnet, werden immer mehr Hürden in den Weg gestellt. Er verliert seinen Job und jede Menge Lebensqualität, so dass eine Flucht nach Kuba das einzig Richtige darstellt. Claire bleibt in der Heimat, die Kinder emigrieren zu einer Pflegefamilie nach Großbritannien. Der Hauptteil des Werkes zeigt uns Kornitzers Rückkehr in eine Heimat, welche sich nicht von den vergangenen Jahren lösen kann.

Gesellschaftskritische Individualgeschichte

Bei seiner verzweifelten Rückkehr in das alte Leben erlebt die Hauptfigur einen Rückschlag nach dem anderen. Claire plagt sich mit schweren Krankheiten, die Kinder bevorzugen ihre neue Heimat und auch der berufliche Werdegang gestaltet sich mehr als holprig. Wir begleiten Kornitzer dabei, wie er auf der Suche nach Wiedergutmachung immer wieder an die gesellschaftlichen Grenzen stößt. Diese zeigen sich vor allem im Gedankengut der Menschen, das sich kaum von den vergangenen Jahren lösen mag. Zwar gelingt es ihm, immer bessere Anstellungen zu bekommen, die Schuld scheint ihm damit aber nicht gesühnt. So plätschert das Geschehen Jahr für Jahr und Seite für Seite dahin. Währenddessen erfahren wir immer wieder neue Facetten seines Lebens, wie die Beziehung zu einer Frau in Kuba, der ebenfalls ein Kind entsprungen ist. Auch dieser Nachkömmling muss bereits im frühen Stadium ohne seinen Vater aufwachsen. Ganz nebenbei wird erzählt, dass Claire und später auch Kornitzer selbst versterben. Das Geschehen endet damit nicht, denn plötzlich ist es Sohn Georg, der sich um den Namen seines Vaters kümmern muss – ein Vater, zu dem er schon lange den Kontakt verloren hat.


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