Untreue von Paulo Coelho – Unser Buchtipp

Coelho - UntreueSüdamerikanische Schriftsteller haben es in unserer mitteleuropäischen Sphäre nicht leicht. Wenngleich ihre Geschichten oftmals einen großen Unterhaltungswert mitbringen, eben weil sie aus einer für uns so weit entfernten Welt stammen, lässt sich die Anzahl jener, die es in Deutschland zum angesehenen Autor geschafft haben, an einer Hand abzählen. Dabei spreche ich keinesfalls von den großen Köpfen vergangener Tage. Nein, vor Nobelpreisträgern wie Pablo Neruda oder Gabriel Garcia Marquez hat sich selbst Deutschlands Literaturszene nicht verschließen können. Mit hellen Geistern dieser Zeit sind unsere Bestsellerlisten aber eher rar gesät. Ein Literat, der sich diesem Faktum regelmäßig entgegenstellt, praktisch eine Ausnahme der Regel, ist Paulo Coelho, dessen neuer Roman „Untreue“ auch wieder äußerst lesenswert daherkommt.

Untreue – Die Suche nach dem wahren Glück

Dass Paulo Coelhos Erzählungen allesamt vom Diogenes Verlag vertrieben werden, ist ein Fingerzeig für die Hochwertigkeit, die in diesen Büchern steckt. „Untreue“ – eine Suche nach der wahren Erfüllung von 320 Seiten Stärke – nimmt sich davon nicht aus und zeigt mal wieder, mit welch großer Einfühlsamkeit der Brasilianer seine Geschichten zu Papier bringt. In den meisten seiner Werke geht es um das Thema Liebe. Diese schien für die Journalistin Linda eigentlich immer in die richtigen Bahnen gelenkt worden zu sein. Schließlich konnte sie den von ihr gewählten Lebensweg begehen, musste selten bis gar nicht zurückstecken und hat dennoch einen Mann gefunden, der ihr treu zur Seite steht. Dennoch plagt sich die 30-jährige Figur aus Coelhos „Untreue“ mit Existenzfragen. Sie begibt sich heraus aus ihrer äußerlich heilen Welt und wagt ein Abenteuer, bei der sich nicht nur ihr Umfeld, sondern auch sie sich selbst komplett verändert.

Untreue – Nur, wer geliebt hat, hat gelebt

Man möchte meinen, dass ein erfolgreicher Berufsweg und eine Familie mit einem liebevollen Ehemann und Kindern das perfekte Glück ist. Was aber geschieht, wenn sich das alles zwar als schön, aber nicht als die wahre Lebenserfüllung herauskristallisiert? Linda gelangt in „Untreue“ genau an diesen Punkt und beginnt eine Affäre mit einem Jugendfreund. Das erscheint uns sehr fragwürdig und bringt der Protagonistin nicht gerade Sympathiepunkte beim Leser ein. Dennoch wirkt es auch nicht ganz unverständlich, dass sie sich auf ihrer Suche der Leidenschaft hingibt und endlich mal sie selbst sein möchte. Durchzogen von Gefühlen begeht sie „Untreue“ an ihrem Mann und bleibt doch so jemand anderem treu –sich selbst und ihrem Traum nach einem glücklichen Leben.


2 Kommentare zu “Untreue von Paulo Coelho – Unser Buchtipp” Eigenen verfassen
  1. Wortwichtel

    Genau wie Blanka konnte auch ich nicht glauben, dass die Protagonistin erst 31 Jahre alt sein soll – sie wirkte aufgrund der Themen, mit denen sie sich befasst, und auch sprachlich deutlich älter. Zudem hat mich genervt, wie in dem Buch vermeintliche Lebensweisheiten aufgetischt werden… „Mit der Ehe ist es so und so, wer kennt das nicht, kaum sind die Kinder da, ändert sich alles, und manchmal hat man einen Durchhänger, aber dann hilft es, zweimal am Tag kalt zu duschen!“

    6.06.2015
  2. Blanka

    Das Buch erhält viele diskussionswerten Themen, spricht nicht nur über Liebe d.h.körperliche Liebe, wie auch über Sehsucht nach erlebten Leidenschaft. Für mich war Linda etwas zu jung um jetzt mit einunddreissig Jahren, als Mutter zweier Kinder und die Ehefrau eines verständnissvollen Ehemannes, unzufrieden zu sein. Ich konnte schwer verstehen, warum sie, eine erfolgreiche Redakteurin, die durchaus sexuell erfüllt ist, nach einem anderen Mann schaut. So etwas würde ich einer frustrierten Frau ende-mitte vierzig zutrauen. Aber sie kommt wieder auf den Boden und macht sich bewusst, was sie in Zukunft besser machen will.
    Coelhos Sprache ist lebhaft, die Sexszenen in keinem Fall abstoßend und die Weltansichten logisch. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, obwohl der Anfang etwas ausladend wirkt.

    4.10.2014
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