Die Werke des Kurt Tucholsky

TucholskyBei vielen großen Persönlichkeiten aus früheren Tagen kann man sich nie so recht vorstellen, wie sie in der heutigen Zeit durch das Leben wandeln könnten. Was würde ein Goethe heute schreiben, wäre Marylin Monroe ein Sinnbild der weiblichen Schönheit und könnte Gerd Müller noch immer der Bomber der Nation sein? So wirklich vorstellen kann sich das niemand, schließlich haben wir heute andere Vertreter, die gesellschaftsrelevant herausstechen. Aus meiner Sicht würde ein Kurt Tucholsky sehr gut ins Jahr 2015 passen. Gemäß seines Naturells wäre er sicher ein herausragender Blogger. Keiner, der Ihnen Bücher oder Filme näherbringt, sondern einer, der sich tagtäglich zum politischen Geschehen äußert. Das nämlich konnte Kurt Tucholsky besser als jeder andere und das ist das, was ihn nicht nur an seinem heutigen 125. Jahrestag weiterhin in unserer Erinnerung schweben lässt.

Kurt Tucholsky – Ein Mann, der Salz in die Wunde streut

Was darf ein Journalist, was sollte man in einer Kolumne lieber nicht äußern? Diese Fragen sind noch heute präsent, Tucholsky war jemand, den das wenig kümmerte. Er schrieb so wie er dachte, was ihn zu einem viel kritisierten Rebell, aber letztlich auch zu einem Mann machte, den die Wahrheit mehr als irgendwelche Richtlinien interessierte. Kurt Tucholsky übte Kritik an vielem und vielen, er nahm selten ein Blatt vor den Mund und sprach oftmals das, was die Leute dachten, aus. Im Deckmantel der Satire wie beispielsweise in „Der Hund als Untergebener“ erwies er sich als Wortästhet. Der gebürtige Berliner warnte bereits in frühen Jahren vor dem Aufschwung der politischen Rechten und den Auswirkungen, die dieser nicht nur auf die Politik innerhalb der Deutschen Grenzen ausüben könnte. Da derartige Formulierungen nicht von jedem gern gesehen wurden, schrieb der Publizist unter vielen Pseudonymen, von denen Peter Panter und Ignaz Wrobel die wohl bekanntesten sein dürften.

Tucholsky als heller Kopf aus Deutschem Reich ausgeschlossen

Es ist unnötig zu erwähnen, dass Tucholsky mit endgültigem Aufstieg der Nationalsozialisten in seinem Schreiben eingeschränkt wurde. Bereits auf der Ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches stand sein Name. Noch im selben Jahr 1933 wurden seine Bücher verboten. In der Bücherverbrennung wurde unter anderem sein Name beispielhaft erwähnt. Heute scheint es eine Farce zu sein, dass Kritiker ihm wie auch Brecht nach 1945 einen Anteil am Scheitern der Weimarer Republik anlasten wollten. Vielmehr sollten wir ihn als jenen Literaten in der Erinnerung behalten, der 1912 mit dem ironischen Bilderband „Rheinsberg“ erstmals das Publizistenfeld verließ und mit „Schloß Gripsholm“ 1931 einen weiteren bedeutenden Roman zu Papier bringen konnte.


Ein Kommentar zu “Die Werke des Kurt Tucholsky” Eigenen verfassen
  1. Elisabeth

    Was für ein Geburtstagsgruß zum 125.!
    Was würde er zu Pegida sagen, er, der der ausgegrenzten jüdischen Minderheit angehörte? Würde er nach Ursachen für den Pegida-Zulauf forschen? Verstehen, was die enttäuschten Massen den Rattenfängern nachlaufen lässt, wie einst dem, der die Massenarbeitslosigkeit der Weltwirtschaftskrise durch die Vorbereitung seines 1000-jährigen Reiches abschaffen konnte? Warum diese Unzufriedenheit der Pegida-Mitläufer? Weshalb diese Suche nach einem Ventil? Was könnte er den Aufgewiegelten entgegnen? Ich bin sicher, er würde nicht zusehen. Doch könnte sein Wort die von der Politik Enttäuschten auch erreichen?
    Gerhard Zwerenz – Kurt Tucholsky. Biografie eines guten Deutschen, aber auch sein Roman „Gute Witwen weinen nicht“ brachten mir diesen außergewöhnlichen Deutschen so nahe, dass ich ihm heute jene Fragen stellen würde.

    9.01.2015
Kommentar schreiben

Folge buecher.de bei Twitter