Top 3 der klassischen Bücher: „Tragödie“

Nachdem wir uns in der letzten Woche den klassischen Dramen gewidmet haben und mit Lessing, Goethe und Sudermann drei ganz besondere Vertreter auswählten, schauen wir in dieser Woche auf die Tragödien der Literaturgeschichte. Was ist tragisch, was zeichnet eine Tragödie aus? Womöglich sind es tragische Mittel, doch auch da ergibt sich ein Definitionsdefizit. Was viele gemein haben, ist, dass sich Tragödien zumeist in hohen Gesellschaftsschichten abspielen, liefern diese doch reichlich Gesprächsstoff. Auch diese Klassifizierung stimmt nicht immer, bei unseren drei passt dieser Einordnungsversuch aber wie die Krone auf das Haupt des Königs oder der Königin, denn auch davon haben wir eine auserwählt.

Antigone von Sophokles

Die Geschichte scheint so simpel und dennoch hat Sophokles´ Stück der Antike viel Inhalt, über den es zu diskutieren gilt. Ganz im Sinne der Tragödie und ihrer Eigenschaft, eine Positionierung des Lesers zu erreichen, wird dieser in den Staat oder zumindest das staatenähnliche Konstrukt integriert und muss sich so eine eigene Meinung bilden. Antigone, Tochter des verstorbenen Königs, will ihren Bruder beerdigen. Dieser hatte die Region in Folge des Erbstreites angegriffen und sich mit seinem Bruder gegenseitig getötet. Onkel Kreon, der fortan die Amtsgeschäfte führt, verweigert dem Verräter den Weg in den Hades und verurteilt auch seine Nichte zum Tod, eine Entscheidung, die er erst bereut, als ein Seher ihm den Weg weist. Zu spät, wie sich schon bald zeigt.

Cleopatra von Daniel Casper von Lohenstein

Cleopatra ist eine historische Figur und von daher seit Urzeiten verschieden interpretiert worden. Natürlich ist die Szenerie Lohensteins an den historischen Kontext gebunden, die Schlacht von Actium ist geschlagen, das römische Triumvirat längst gespalten und so ergibt sich auf dem Boden Ägyptens ein Dreikampf, bei dem mit Antonius das schwächste Glied als Erstes fällt. Lohenstein zeigt in der Folge, wenn auch historisch fragwürdig, den Versuch Cleopatras, mithilfe von Schmeicheleien in Richtung Augustus ihr Gesicht und das ihres Volkes zu wahren. So gibt uns Lohenstein eine ganz besondere Lehrstunde über die machiavellistischen Herrschertugenden, von denen jeder der drei Protagonisten mehr oder weniger geleitet wird.

Hamlet von William Shakespeare

Ich bekenne mich zu Shakespeare, ob Othello, König Lear oder Macbeth – gelesen habe ich sie alle. Das größte, zugleich mein erstes Werk Shakespeares war Hamlet und noch heute ist es für mich das eindrucksvollste Stück des Briten. Prinz Hamlet von Dänemark hat die Vermutung, dass etwas faul sei in seinem Staate und in der Tat sind die derzeitigen Verhältnisse Folgen einer großen Verschwörung. Von den Familienmitgliedern betrogen, weiß der junge, eigentlich legitime Thronnachfolger nicht, woran er ist. Definitiv ist der ihm gewidmete Text gespickt mit Phrasen, die noch heute jedem im Kopf sind und so stellt sich nicht die Frage nach dem „Sein oder Nichtsein“, sondern eher diejenige, wie Shakespeare ein Werk schrieb, das noch heute auf den Bühnen so große Jubelarien auslöst.


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