Top 3 der klassischen Bücher: „Novelle“

Was eine Novelle ausmacht, ist schwer zu sagen; vielleicht ist es die Kürze ihrer Ausführung, in der dennoch so viel Tiefe steckt, dass es gerade die Novelle fertigbringt, Leute nicht nur für sich zu begeistern und zu unterhalten, sondern sie zudem dazu bewegt, darüber ernsthaft nachzudenken. Novellen wurden in der Literaturgeschichte viele geschrieben, noch mehr als solche bezeichnet. Drei von ihnen haben wir uns wie schon bei den Dramen und Tragödien herausgesucht und uns so in toskanische, friesische und hauptstädtische Gefilde begeben.

Der Schimmelreiter von Theodor Storm

Hauke Haien wirkte für mich immer ein bisschen eigenartig und dennoch füllt er die Rolle des Hauptprotagonisten, welche Storm ihm zuordnet, sehr beeindruckend aus. Womöglich sind es gerade die besonderen Charakterzüge des Erzählers Hauke, die den „Schimmelreiter“ so einzigartig erscheinen lassen, vielleicht ist es aber auch die Geschichte über den mythischen Schimmelreiter, der sich vom Deich in die Fluten stürzt und so die gesamte Bevölkerung rund um die Halligen in arge Aufregung versetzt. Die Geschichte fesselte den Autor sein Leben lang und auch viele Menschen nach Theodor Storm zeigten sich beeindruckt von seinem Spätwerk, was die zahlreichen Verfilmungen eindrucksvoll beweisen dürften.

Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann

Man neigt immer dazu, Gerhart Hauptmann nur mit „Vor Sonnenaufgang“ oder „Die Weber“ in Verbindung zu bringen, ein Fehler, der dem Werk des schlesischen Dichters nicht gerecht wird. „Bahnwärter Thiel“ ist ebenso hoch einzuschätzen und passt genauso wie die anderen beiden in den Gesamtkanon des Autors. Die Geschichte scheint simpel, ist es doch Bahnwärter Thiel, der in zweiter Ehe mit einer herrschsüchtigen Gattin lebt und nach dem Tod seines leicht gestörten Sohnes in eine Art Psychose verfällt, die sämtliche menschliche Abgründe an den Tag bringt. Bahnwärter Thiel wird zum Spielball psychotischer Verzerrung und das einzig und allein aus der Liebe zu seinem verstorbenen Sohn.

Decameron von Giovanni Boccaccio

Sicherlich mag es auch aus meiner Begeisterung für italienische Literatur entstammen, aber selbst jeder andere kann nicht leugnen, dass der Begriff Novelle durch Boccaccio seine wahre Bedeutung erfahren hat. Es sind junge Leute aus der von Pest heimgesuchten Stadt Florenz, die sich eine eigene Idylle abseits der Stadt schaffen und sich mithilfe von Kurzgeschichten zu unterhalten versuchen. In diesen zeigt sich die gesamte Gesellschaft des 14.Jahrhunderts und so werden wir Zeuge einer kompletten Bandbreite der menschlichen Eigenschaften, in der Liebe genauso wie Lug und Trug zum alltäglichen Geschäft gehören und von Boccaccio in einer Art und Weise inszeniert werden, die in der Literaturgeschichte nie wieder in ähnlicher Weise produziert wurde.


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