Top 3 der klassischen Bücher: „Drama“

Ein Drama ist etwas ganz Besonderes. Es soll den Leser oder Zuschauer rühren, bewegen, zur Trauer verleiten und Mitgefühl anregen. Es soll Fragen aufwerfen, die der Rezipient für sich verarbeiten soll, nach aristotelischem Dramenverständnis zur Katharsis führen, der Reinigung der eigenen Seele. Viele große Köpfe der Literaturgeschichte haben sich an Dramen versucht, drei von ihnen haben wir herausgepickt, wobei sie nur Stellvertreter eines Genres sind, welches in seinem Facettenreichtum auf vielen Ebenen zu begeistern wusste.

Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing

Das wohl wichtigste Werk der deutschen Aufklärung verbindet für mich nahezu alle Züge, die ein Drama mit sich bringen muss, um auch wirklich eine Wirkung zu erreichen. Lessing, der dank des Nathan den Blankvers in der deutschen Dichtung festigte, schickt seinen jüdischen Kaufmann nach Jerusalem, wo die christliche, muslimische und jüdische Religion aufeinanderprallen. Während der Kreuzzüge scheint kein Platz für Verständnis, kein Platz für ein gemeinsames Zusammenleben auf Erden. So zeigt Lessing seine historisch fundierte Kritik an Nathan, der mithilfe der berühmt berüchtigten Ringparabel dafür eintritt, dass allein ein Nebeneinander aller Religionen die Glückseligkeit der Menschen mit sich bringen kann.

Faust I von Johann Wolfgang Goethe

„Nun steh ich da, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor“ ist ein Zitat, das wohl unzählige Male benutzt und gelesen wurde und trotz alledem kommt man, wenn man sich auf Dr. Johann Fausten beziehen möchte, nicht an diesem Ausspruch, in dem so viel steckt, vorbei. Goethe schickt Faust auf eine Reise durch die Welten, in denen er mithilfe des listigen Mephisto versucht das zu finden, was ihm Erfüllung bringt und was als das Wahre in der Welt anzusehen ist. Natürlich ist das zentrale Thema die Liebe und dennoch würde man Goethe nicht gerecht, allein darin den Wert des Werkes zu sehen. Vielmehr zeigt sich das Wahre in den vielen kleinen Dingen, die uns umgeben und in denen wir versuchen müssen, das Leben als solches zu verstehen.

Die Ehre von Hermann Sudermann

Womöglich erscheint die Person Sudermann in dieser Auswahl ein wenig fehl am Platz, doch häufig sind es gerade die Dinge, die wir nicht sehen, welche große Bedeutung in sich tragen. „Die Ehre“ als Sinnbild des naturalistischen Dramas erfüllt noch mehr als es Faust oder Nathan tun, die Eigenschaft, den Rezipienten zum Rezipieren anzuregen, zeigt es doch die wahren Missstände der Gesellschaft. Obwohl die Charaktere des Vorderhauses und des Hinterhauses direkt beieinander wohnen, trennen sie Welten, zwischen denen vor allem die Hauptcharaktere hin- und hergerissen werden. Während die einen sich in ihrer Sache wohlfühlen, versuchen die anderen aus den Gegebenheiten auszubrechen. Während sich die einen versuchen abzugrenzen, dünkt es die anderen nach Verschmelzung. Letztlich zeigt sich im Wesen beider Gruppen, wie gleich die Menschen doch sind.


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  1. […] wir uns in der letzten Woche den klassischen Dramen gewidmet haben und mit Lessing, Goethe und Sudermann drei ganz besondere Vertreter auswählten, […]

    22.12.2010
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