Thorstens Buchempfehlung: „Feuchtgebiete“

Der Titel lässt viel erahnen und sagt doch nichts aus. Das Buch „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche ist dennoch in jedermanns Mund. Kein Wunder, ist der Roman doch so herrlich provokant und detailreich beschrieben, dass man nicht anders kann, als ständig darüber nachzudenken und unappetitliche Bilder mit sich herum zu tragen. Doch warum sollte man ein solches Buch lesen, dass von nicht wenigen als ekelhaft, oder zumindest anstößig empfunden wird? Weil es 1. unterhaltsam ist und 2. mit althergebrachten Anschauungen von stereotypen Frauen und der Hygienehysterie im Allgemeinen aufgreift und ad absurdum führt.

Das Buch handelt größtenteils von Helen, die im Zuge einer missglückten Intimrasur im Krankenhaus gelandet ist. Hier wird ihre erfreulich offene, aber nicht weniger skurrile Art zur Intimität verdeutlicht und sie führt uns in kurzen Episoden durch ihr bisheriges Leben. Triebkraft ihres andauernden Kampfes mit sich selbst und der Tatsache im Krankenhaus bleiben zu wollen, ist der Versuch die Trennung ihrer Eltern rückgängig machen zu wollen. Was Helen dafür auf sich nimmt, ist wohl nicht jedermanns Sache, zeigt aber in erstaunlicher Weise, wie sehr man mit einem Protagonisten mitfühlen kann. Manchmal schmerzt es fast weiter zu lesen. Vielleicht ist „Feuchtgebiete“ deshalb so erfolgreich und über ein halbes Jahr auf Platz 1 der Bestsellerlisten zu finden. Der Leser kann seinem Voyeurismus frönen und wird gleichzeitig damit beruhigt, dass er nicht der Einzige ist, der teilweise groteske Gedanken hegt. Feuchtgebiete ist die Katharsis der Moderne, auf eine unterhaltsame und wenig zölibatäre Art und Weise.


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  1. Michael Petrikowski

    Wir können ekliger! – Die Antwort auf „Feuchtgebiete“
    Trockenzonen – Wenn Männer aufhören sich zu waschen
    von Charles Roch

    Erscheint am 1. Februar 2009 bei Carlsen

    11.01.2009
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