Taxi – Unser Filmtipp

TaxiNormalerweise finden an dieser Stelle jene Filme Beachtung, die in dieser Woche auf die Kinoleinwand kommen. Aufgrund der herausragenden Bearbeitung des literarischen Stoffs von Karen Duve möchten wir im heutigen Filmtipp aber schon mal ein wenig vorausschauen. In drei Wochen wird nämlich eine deutsche Produktion zum Kinobesuch einladen, in der wahnsinnig viel Herzblut steckt und die mit einem grandiosen Hollywood-Darsteller aufwartet. „Taxi“ ist ein 97-minütiges Epos, das uns die 1980er zurückholt und einen Einblick in das mit Geschichten gefüllte Hamburger Nachtleben gewährt. Mittendrin lebt eine 25-Jährige, die nach ihrem richtigen Platz sucht und diesen eigenartigerweise auf der Straße findet bzw. in einem Taxi, auf dessen Rückbank sich die unterschiedlichsten Gestalten versammeln.

TaxiTaxi – Alle Männer wollen Alex vorschreiben, wie sie zu sein hat

Mit ihrem Roman „Taxi“ hat Karen Duve ein Buch geschrieben, das ein Symbol für viele junge Frauen ist, die sich noch nicht so richtig festlegen wollen, wohin die Reise geht. Alex (Rosalie Thomass) hat gerade erst ihre Ausbildung als Versicherungskauffrau über Bord geschmissen, „die einzige Ausbildung, die ich je angefangen hatte“. Sie meldet sich auf eine Anzeige, bei der ausdrücklich eine TaxiFAHRERIN gesucht wird. Mit dem Taxischein versehen, lässt sie Unternehmer Mergolan (Özgür Karadeniz) auf die Fahrgäste und die Kollegen los. Zu ihnen gehören der gescheiterte Künstler Dietrich (Stipe Ergec), Möchtegern-Sokrates Rüdiger (Robert Stadlober), Geldträumer Udo (Tobias Schenke) und der „Taximörder“ (Antoine Monot Jr. alias Tech-Nick). Alle vier versuchen Einfluss auf Alex Leben zu nehmen. Mit Ersterem, einem südländischen Schönling, schlittert sie in eine Beziehung. Dort geht es um Banales, Dietrich will sie zum Beispiel dazu bringen, endlich mal ein richtiges Buch zu lesen. Bestimmend agiert auch Alex Bruder, der nicht möchte, dass sie später einmal auf seine Kosten lebt. Gleichzeitig schmeißt er das Geld mit seinen Yuppie-Freunden durch die Hamburger Nächte. Wenngleich Alex nach außen scheinbar gefestigt wirkt und nichts an sich heranlässt, verunsichern sie die männlichen Einwände. Umso glücklicher ist sie darüber, dass Marc (Peter Dinklage) auf ihrer Rückbank erscheint. Der 1,35 m-Knirps lässt sie sein wie sie ist und erweist sich so als wahrer Mann von Größe.

TaxiTaxi – Ein Film mit viel Herzblut

Einen Weltstar wie Peter Dinklage („Game of Thrones“) für eine deutsche Kinoproduktion zu gewinnen, ist ein deutliches Zeichen für die Intention, etwas Beeindruckendes zu hinterlassen. Dass Regisseurin und Hauptdarstellerin nach New York City reisten, um den Star in einem Café vom Drehbuch zu überzeugen, ist eine hübsche Randnotiz. Obwohl auch Marc immer mal wieder versucht, Alex in eine gewisse Richtung zu schieben, wirkt er neben den ganzen anderen Kerlen als einer, dem die Sympathien gehören. Das rückt ihn wie im Buch auch gemeinsam mit der eigentlichen Hauptfigur in den Mittelpunkt. Wie stark Alex trotz dieses ständigen Hin und Her eigentlich ist, zeigt sich als Mergolan bei ihr aufkreuzt und von seinen finanziellen und privaten Sorgen berichtet. Genau in dieser Sequenz wird deutlich, dass genau genommen alle anderen bisher gescheitert sind und nur sie selbst auf ein gestecktes Ziel hinsteuert, nämlich sich selbst treu zu bleiben. Zugegeben, die der Handlung einen Wendepunkt gebende Szene, wirkt sehr chaotisch, passt dann aber schlussendlich auch wieder total in den Aufbau von „Taxi“. Alex möchte einen Affen vor seinem Peiniger retten und braust mit ihm auf der Rückbank los. Dass die Flucht in einem Totalschaden enden muss, weil der Affe ihr ins Gesicht springt, fügt sich in den dramaturgischen Gesamtkontext. „Taxi“ ist ein Film, in dem es vorrangig um Fremd- und Selbstbestimmung geht. Dass das Äffchen in die Hamburger Nacht verschwindet, ist ein Ruf nach Freiheit, dem letztlich auch Alex nacheifert.

 


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