Takeover von Jussi Adler-Olsen – Unser Buchtipp

Adler-Olsen - TakeoverOb es daran liegt, dass er als Sohn eines Psychiaters wohl auch in jungen Jahren schon mit den ganzen obskuren Gedanken konfrontiert wurde, die in den menschlichen Abgründen schlummern, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es auch das eigene Medizinstudium oder gar die gewisse Kühle und die kilometerlange landschaftliche Einsamkeit, die seine Heimat Dänemark durchziehen. Warum Jussi Adler-Olsen derart viele kranke Protagonisten in seine Werke einbinden kann, ist vielen Literaturkennern bis heute ein Rätsel. Klar ist aber, dass es sich bei ihm um einen begnadeten Thriller- und Kriminalromanautor handelt. Und zwar nicht allein, weil sein Chefermittler für Carl Mørck einen speziellen Fall nach dem anderen auf dem Tisch liegen hat, sondern weil Jussi Adler-Olsen auch ohne ihn tolle Geschichten erzählen kann. Das zeigt er in seinem neuen Roman „Takeover“ mit Bravour.

Takeover – Inhalt

Bisher hat sich Jussi Adler-Olsen nicht gerade als Kenner der Finanzszene ausgewiesen. Er kann uns zwar sämtliche Mordopfer in aller Grausamkeit auf die Seiten zaubern und gelegentlich auch tiefe Einblicke in die Psyche wirklich kranker Täter ermöglichen. Mit Zahlen, besonders jenen mit vielen Nullen hinter dem Komma, hat er aber bis hierhin eher nicht unterhalten. „Takeover“ zeigt insofern wieder eine neue Facette des internationalen Bestsellerschriftstellers. Er entführt den Leser in die Welt von Peter de Boer, einem Kerl, der dafür sorgt, dass milliardenschweren Unternehmen zu Asche verfallen und so mancher Wirtschaftsplayer sich in Luft auflöst. Adler-Olsen schreibt gewöhnlich über Killer, die Leichen hinterlassen. De Boer ist einer, dessen Opfer Unternehmen aus allen Bereichen sind.

Takeover – Internationaler Terrorismus spielte auch eine Rolle

In der Vergangenheit hat Jussi Adler-Olsen aber auch immer wieder eine politische Bandbreite gezeigt und genau in dieser Hinsicht bleibt er sich bei „Takeover“ treu. Nachdem er erklärt, wie schnell sein zentraler Charakter global operierende Firmen malträtiert, gibt er dem Thriller eine andere Richtung. Der Niederländer de Boer soll für den irakischen Geheimdienst arbeiten. Begeistert ist er davon keinesfalls. Doch weil sie ihn mit seiner Vergangenheit konfrontieren, ist es nicht möglich, diesen Auftrag abzulehnen. Mit dieser Komponente spielen auf einmal der immerwährende Nahostkonflikt, das Terrorismus-Problem auf diesem Erdball und sogar die Finanzkrise eine entscheidende Rolle. Gut, dass de Boer mit Nicky Landsaat eine Intelligenzbestie an die Seite bekommt, die ihm zumindest ein wenig unter die Arme greifen kann.


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