Straße der Wunder von John Irving – Unser Buchtipp

Irving - Straße der WunderJohn Irving gilt als ein Bestsellerautor der gehobenen Lektüre. Der US-Amerikaner hat das Talent mit seiner sprachlichen Gewandtheit, makabere Dinge in einer tragikomischen Art und Weise darzustellen und so mit teilweise grandios verzerrten Geschichten einen ganz eigenwilligen Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft zu ermöglichen. Wer das nicht glaubt, dem sei sein neuester Roman „Straße der Wunder“ ans Herz gelegt. Hier widmet sich der Oscar-Preisträger (für das Drehbuch von „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) zwei Kindern, deren tägliches Umfeld eine Müllkippe darstellt.

Lupe und Juan Diego sorgen für eine „Straße der Wunder“

Lupe ist stumm, ihr Bruder Juan Diego die einzige echte Bezugsperson. Ihnen ist keine rosige Zukunft vorherbeschieden, keine erfüllte Kindheit in der momentanen Situation realisierbar. Doch die beiden haben einen Weg gefunden, dem Grauen zu entkommen, all das Schreckliche hinter sich zu lassen. Sie nutzen ihre Zauberkräfte, dank denen Irvings Werk den Titel „Straße der Wunder“ auch zurecht erhalten hat. Lupe kann die Zukunft voraussagen, speziell die ihres Bruders. Das zieht natürlich auch Gefahren heran, denn Juan Diego steht Risikoreiches bevor. Seine Schwester wird später alles aufbringen müssen, um ihn zu retten. Auch Juan Diego hat eine mystische Fähigkeit, er kann fliegen. Gemeinsam suchen die zwei jungen Migrantenkinder, die Müllkippenzöglinge aus Mexiko, eine neue Heimat, einen Platz in der Fremde.

„Straße der Wunder“ ist ein Roman über einen Romanschreiber

Erzählt wird „Straße der Wunder“ später von Juan Diego, der in träumerischen Fetzen auf seine Kindheit zurückblickt und an seine kleine Schwester Lupe zurückdenkt. Wie schon in „Garp“ und in einigen anderen Werken schreibt John Irving einen Roman über einen Schriftsteller. Wie die bisherigen Charaktere ist auch Juan Diego ein Einzelgänger. Einer der am sozialen Rand lebte, ein Waisenkind. Es gibt viele weitere Parallelen, auf die Irving-Leser stoßen, wenn sie die einzelnen Seiten von „Straße der Wunder“ durchblättern. Juan Diego befindet sich nie wirklich im Aktuellen, in der realen Situation, sondern immer in einem Schwebezustand zwischen dem, was war und dem, was kommen wird. Irving lässt ihn quer über die Welt streifen, auf die Philippinen und nach New York. Dieses Ortlose spiegelt sich auch beim Protagonisten wider, der kein Amerikaner und auch kein Mexikaner ist. So erleben wir einen Roman, in dem es vor allem auch um eine Standortbestimmung geht, die ewige Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.


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