In der ersten Reihe sieht man Meer von Klüpfel und Kobr – Unser Buchtipp

Klüpfel und KobrVolker Klüpfel und Michael Kobr sind wie das Brot und die Butter, wie Bud Spencer und Terrence Hill oder wie Sand und Meer. All das gehört zusammen und auch diese beiden Autoren mag man sich einzeln kaum vorstellen. Ihr erster gemeinsamer Roman „Milchgeld“ schlug bombastisch ein, war einer der Gründe, warum sich das neue Genre des Provinzkrimis auf einmal so gigantisch etablieren konnte. Ihr Kommissar Kluftinger avancierte zur Kultfigur, ist aus der deutschsprachigen, literarischen Ermittlerwelt nicht mehr herauszudenken. Mit „In der ersten Reihe sieht man Meer“ probieren sie sich jetzt mal an einem anderen Sujet, und der Plan des Autoren-Duos geht voll auf.

Eine Reise zurück in die 80er-Jahre

Jeder, der sich schon einmal mit großem Personenaufkommen in den Urlaub aufgeschwungen hat, kennt die Ausgangssituation, in die Klüpfel und Kobr ihren Protagonisten in „In der ersten Reihe sieht man Meer“ schicken. Der Wagen ist viel zu voll, die Stimmung mäßig, im Kassettenradio läuft Modern Talking und bei weiser Voraussicht auf die folgenden zehn Stunden Autofahrt steigt der enthusiastische Pegel auch nicht gerade gen Himmel. Dennoch aber freut sich Alexander Klein auf die Zeit in Italien, weil er in der Vergangenheit schon mal da war. Er selbst erinnert sich daran, schwelgt in Erinnerungen, als er über den alten Fotos hockt. Er nickt über dem Album ein und findet sich plötzlich als pickliger Teenager wieder mitten in den 80er-Jahren.

Die perfekte Urlaubslektüre

Warme Limonade anstatt Cappuccino, zarte Gerüche aus der Kläranlage und zum Mittag Kohlroulade. Ja, die Jugendzeit hatte sicher seine Vorteile. Ein Glück für den jetzigen Familienvater, dass er sie in „In der ersten Reihe sieht man Meer“ gleich noch einmal erleben darf. An der Adria herrscht trotz der mäßigen Urlaubsgegebenheiten bei Anreise und Aufenthalt, trotz der minimalistischen finanziellen Mittel großes Urlaubsgefühl, Strandfeeiling pur und an jedem Ort gute Laune. Das Revival der eigenen Jugend wird zum spaßigen Klamauk, bei dem man Kluftinger auch gar nicht vermisst. Klüpfel und Kobr ist Urlaubslektüre erster Güteklasse gelungen. Ein Werk, bei dem man die Seele baumeln, die Sorgen vergessen kann.


Ein Kommentar zu “In der ersten Reihe sieht man Meer von Klüpfel und Kobr – Unser Buchtipp” Eigenen verfassen
  1. Peter Michels

    Für alle wie mich, die „zu faul“ zum lesen sind, gibt es den Titel übrigens auch als Hörbuch, genial gelesen von Bastian Pastewka.

    1.04.2016
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