Shortlist des Deutschen Buchpreis 2012 Teil 3

In sechs Tagen gibt die Jury des Deutschen Buchpreis 2012 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den Sieger für die begehrteste Literaturauszeichnung des Landes bekannt. Vier Kandidaten der Shortlist haben wir bereits vorgestellt, heute folgen die letzten beiden Möglichkeiten für die Nachfolge von Eugen Ruge. Nach Herrndorf und Thome in der ersten Woche und den beiden Psychoanalytikern Augustin und Setz vergangenen Donnerstag schließen wir heute die Kandidatenliste mit Ursula Krechel und Ulf Erdmann Ziegler.

Krechel - LandgerichtUrsula Krechel – Landgericht

Die Vielfalt, die Ursula Krechel in ihrem Werk beweist, zieht sich genau genommen schon durch ihr ganzes Leben. Vor ihrem Roman „Landgericht“, der nun besagte Auszeichnung absahnen könnte, fand sie sich schon in der Welt der Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele heimisch. Auch ihr Debütroman „Shanghai fern von wo“ wurde mehrfach ausgezeichnet, das Nachfolgewerk möchte dem natürlich in nichts nachstehen. Die Geschichte baut im Wesentlichen auf dem Premierenstück auf, so geht es auch in „Landgericht“ um das Schicksal von Juden im Nazideutschland der 30er- und 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In diesem strebt Richard Kornitzer eine große Karriere als Patentrichter an. Er findet eine Frau und bekommt mit ihr zwei Kinder. 1933 jedoch zerfällt sein Traum vom geordneten Leben, die Herrschaft Hitlers zwingt den Juden zur Flucht. Das Buch beschreibt seinen verzweifelten Kampf, nach dem Weltkrieg wieder zurück ins alte Leben zu finden. Kornitzer kehrt aus der Exilheimat Kuba heim zu seiner Frau Claire, die in Deutschland geblieben ist. Die beiden Kinder wurden für ein besseres Leben in eine britische Pflegefamilie gegeben und fühlen sich mittlerweile dort heimisch. Ohne Draht zu ihnen und mit der Erkenntnis, dass sich die Vergangenheit nicht einfach so ausblenden lässt, scheint Kornitzer verloren in einer Welt, die sich ohne ihn weitergedreht hat.

Ziegler - Nicht WeissesUlf Erdmann Ziegler – Nichts Weißes

Ulf Erdmann Ziegler wirft vermutlich das gesellschaftlich brisanteste Buch des Wettbewerbs, ist „Nichts Weißes“ doch genau betrachtet eine exakte Studie der westdeutschen Gesellschaft in der Phase zwischen 1950 und Mitte der 1990er. Er zeigt dabei nicht nur das Einzelschicksal seiner scheinbaren Hauptprotagonistin Marleen Schuller aus Neuss. Nein, er zeigt vor allem das allgemeine Schicksal dieser Zeit. Während sich Kultur und Technik im ständigen Fortschritt bewegen wollen, bleibt die Mentalität in der Vergangenheit haften. Dort wo Altes keinen Bestand mehr hat, wird verzweifelt Neues integriert, so wirklich bereit dafür ist aber keiner der im Werk beschriebenen Akteure. Ziegler spielt des Öfteren auf bekannte Persönlichkeiten an, bindet bei Marleens Suche nach der perfekten Schrift beispielsweise auch den bekannten Verlagschef Gerhard Steidl ein. Dessen Nähe zur Romanfigur Uli Steidle fällt nicht nur im Namen auf. Marleen reist quer durch das Land, um etwas Altes neuaufleben zu lassen und sich selbst zu verwirklichen. Dabei stößt sie auf Elemente einer neuen Sozialgemeinschaft, auf ob-Tampons und Afri Cola, um letztlich zu bemerken, wie aussichtslos ihre Suche ist.


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