Shortlist des Deutschen Buchpreis 2012 Teil 2

Knapp eineinhalb Wochen sind es noch, bis der Nachfolger von Eugen Ruge und damit der Gewinner des Deutschen Buchpreis 2012 feststeht. Im ersten Beitrag zur Shortlist lag das Augenmerk in der letzten Woche auf den zwei vielversprechenden Autoren Herrndorf und Thome aus der Hauptstadt. Heute wollen wir uns an ein Kontrastprogramm heranwagen, stehen mit dem Grazer Clemens Johann Setz und Ernst Augustin doch der jüngste und der älteste Kandidat der verbliebenen Liste auf dem Plan.

Setz - IndigoClemens Johann Setz – Indigo

Schon 2009 schaffte es der heute 29-Jährige mit seinem damaligen Werk „Die Frequenzen“ auf die Shortlist des Deutschen Buchpreis. 2012 wird so bereits zur zweiten Nominierung und aufgrund seiner eigenartigen und äußerst komplexen Schrift darf Setz vielleicht sogar als der Geheimtipp angesehen werden. „Indigo“ ist eine viel aussagende Mixtur aus Science Fiction Elementen und psychoanalytischer Studie, bei welcher der Leser selbst ordentlich durchgeschüttelt wird. In der Rolle des Ich-Erzählers ist es zunächst ein Mathematiklehrer namens Clemens Setz, dem man bei der Suche nach Antworten folgt. Dieser ist an einer Internatsschule für Kinder mit dem Indigo-Syndrom tätig. Alle Menschen, die mit den Kranken zusammentreffen, klagen fortan über Kopfschmerzen, Übelkeit und andere Symptome. Eigenartig wird es, als einige dieser Kinder von Maskierten abgeholt werden und nicht wieder kommen. Die zweite Person, der man begegnet, lebt eineinhalb Dekaden später. Robert Tätzel zählte selbst einmal zu den Indigo-Kindern und findet sich 2021 in einer Welt wieder, in der man während des Liebesaktes im WorldWideWeb surft. Gespickt mit Rückblenden, eingebetteten Briefen und Patientenakten weiß der Leser bis zum Ende nicht so recht, was ihm damit eigentlich alles erzählt wird.

Augustin - Robinsons blaues HausErnst Augustin – Robinsons blaues Haus

Ernst Augustin stellt das größte Pendant zu Setz da, wird er doch im Oktober schon 85 Jahre alt. Der studierte Mediziner hat mit seinem Konkurrenten aber auch die ein oder andere Gemeinsamkeit. Setz schreibt psychoanalytisch, Augustin verfasste seine Dissertation über Schizophrene. Später arbeitete er noch in einer Nervenklinik und bis 1985 als psychiatrischer Gutachter. Seit seiner Erblindung vor drei Jahren fungiert seine Fantasie als stetiger Begleiter in seinem Alltag, der keine lichten Momente mehr zu Tage bringt. Ähnlich wie Kafka schafft es Augustin in „Robinsons blaues Haus“, seine Leser auf eine Reise in eine individuell geformte Traumwelt zu entführen. Dabei werden wir mit privaten und gesellschaftlichen Problemen konfrontiert. Exemplarisch dazu steht die akribisch ausgearbeitete Vater-Kind-Beziehung, die sich durch das komplette Werk zieht. Der Sohn wird damit konfrontiert, sich auf einer einsamen Insel zu befinden, er ist allein und nicht in die Gesellschaft eingebunden. Er flüchtet sich auf den knapp 320 Seiten in virtuelle Räume, in der es alles und nichts gibt, was der Fantasie nur noch weitere Grenzen ermöglicht.


Leider gibt es noch keine Kommentare Schreib den ersten!
Kommentar schreiben

Folge buecher.de bei Twitter