Shortlist des Deutschen Buchpreis 2012 Teil 1

Nun sind es nur noch sechs vielversprechende Literaten, die sich begründete Hoffnungen auf den Gewinn des Deutschen Buchpreis 2012 machen dürfen. Eine Dame und fünf Herren wurden in der vergangenen Woche aus der Longlist, die zwanzig Kandidaten umfasste, auserwählt. Einer dieser sechs wird sich am 8. Oktober als Gewinner und Nachfolger von Eugen Ruge herauskristallisieren. Bis dahin darf spekuliert werden. Wir stellen in den kommen Wochen die verbleibenden Kandidaten vor und werfen einen Blick in ihre Werke.

Herrndorf - SandWolfgang Herrndorf – Sand

Schon vorab galt der Wahlberliner Wolfgang Herrndorf als ganz großer Favorit auf den Sieg, nicht zuletzt wegen dem Gewinn des Preises auf der Leipziger Buchmesse. Dementsprechend kam seine Nominierung für die Shortlist nicht ganz unerwartet. „Sand“  ist zugegeben keine leichte Lektüre, sorgt ganz nach dem Titel für jede Menge Undurchsichtigkeit. So wirklich weiß man nie, was gerade passiert oder wer vor Ort in Aktion tritt. Der Autor durchmischt die Themen von Seite zu Seite und liefert dem Leser so einen kulinarischen Cocktail aus Thriller und Gesellschaftsroman. In Nordafrika soll Amadou Amadou in eine Hippiekommune eingedrungen sein und vier Leute hingerichtet haben. Ihm auf den Fersen ist ein Polizist, dessen Charakter nicht minder komplex angerichtet ist. Hinzu kommt eine globale Bedrohung durch nukleare Waffen, die ebenfalls in die Szenerie gerückt wird. Auf der Suche nach Antworten trifft man auf einen Agenten namens Lundgren und die attraktive Helen, die beide ebenfalls ordentlich zur Verwirrung beitragen.

Thome - FliehkräfteStephan Thome – Fliehkräfte

Ein wenig überraschender war die Nominierung von Stephan Thome, den viele gar nicht auf der Rechnung hatten. Dabei war er bereits mit seinem ersten Roman „Grenzgang“ auf der Shortlist. 2009 klappte es nicht mit dem endgültigen Triumph, 2012 soll es hingegen gelingen. Die Grundlage dafür liefert „Fliehkräfte“ auf jeden Fall. Anders als Herrndorf verstrickt sich der Philosoph Thome nicht in Gedankenszenarien. Er zeigt letztlich ein Leben, das genau genommen sehr real und menschlich wirkt. Für Hauptprotagonist Hartmut Hainbach, der wie der Autor Philosoph ist, befindet sich das Leben an einem brenzligen Grenzpunkt. An seine Tochter kommt er nicht mehr heran, die Frau zieht berufsbedingt von Bonn nach Berlin. Sein Seminar, das er an der Universität leitet, gibt ihm längst kein Lebensgefühl mehr und irgendwie sind das alles nur die ersten negativen Anzeichen. Hainbach macht sich auf die Reise nach Antworten, besucht in Paris eine alte Jugendliebe, an der Atlantikküste einen früheren Kollegen. Es zieht ihn weiter bis nach Portugal, wo er letztlich merkt, dass sich etwas ändern muss und dies nur möglich ist, wenn er endlich loslässt.


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