Die Shortlist des Deutschen Buchpreis 2014

Als im letzten Jahr bei der Bekanntgabe des Gewinners der Name Terezia Mora fiel, rieben sich einige Literaturexperten verwundert die Augen. Dennoch aber war die gebürtige Ungarin eine rechtmäßige Siegerin und eine, die es definitiv verdient hatte, sich in die Annalen des Deutschen Buchpreis einzutragen. Mora kegelte mit „Das Ungeheuer“ Kontrahenten wie Reinhard Jirgl oder Clemens Meyer aus dem Finale, ein Daniel Kehlmann hatte den Sprung von der Long- auf die Shortlist gar nicht erst geschafft. Selbiges Schicksal ereilte in diesem Jahr den Preisträger der Leipziger Buchmesse Sasa Stanisic, der wie einige andere favorisierte Autoren nicht auf der Shortlist zu finden ist. Diese hat die Jury um Dr. Jens Bisky gestern veröffentlicht. In weniger als einem Monat wird einer der sechs Finalisten die Nachfolge von Terezia Mora antreten.

Klüssendorf - AprilDie Shortlist – Der Allesforscher erlebt im April einen panischen Frühling

Drei Werke stehen im Finale, die man dort nicht so wirklich vorhergesehen hat. Heinrich Steinfest gilt nicht erst seit „Der Allesforscher“ als bewegender Erzähler. Die Geschichte um einen vom Manager zum Bademeister umgeschulten Protagonisten ist trotzdem etwas überraschend in der finalen Auswahl vertreten. Selbiges lässt sich beim Blick auf „April“ von Angelika Klüssendorf vermerken. Schon mit dem Vorgänger „Das Mädchen“ war die Ahrensburgerin auf der Shortlist. Vielleicht gelingt ihr mit dem Folgeroman nun der Schritt ganz nach oben. Überhaupt nicht auf der Liste erwarten konnte man Gertrud Leutenegger. Genau betrachtet ist ihr „Panischer Frühling“ aber eine Erzählung, die nicht zu Unrecht im Finale steht. Sie lässt zwei Menschen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Schicksale aber folgend in Roadmoviemanier miteinander verknüpft sind.

 

Seiler- KrusoZwei Aussichtsreiche und der ganz große Favorit

Spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist des Deutschen Buchpreis kursiert auch immer ein Name ganz vorne im Favoritenkreis. Gute Chancen werden Thomas Hettche attestiert. Dieser begibt sich in „Pfaueninsel“ ins 19. Jahrhundert, um hier mit der Sexualität ein Thema zu verhandeln, dessen Brisanz sich nahtlos ins 21. Jahrhundert transferieren lässt. Namensvetter Thomas Melle zählt ebenfalls zum engen Favoritenkreis. Sein „3000 Euro“ erzählt von der Liebe eines gescheiterten Studenten und einer Lidl-Verkäuferin und zeigt, dass Liebe letztlich keine Frage des Geldes ist. Wenngleich sich bei Nichtbesitz des besagten Gutes viele Probleme ergeben. Der ganz große Favorit heißt Lutz Seiler. Seine Problematisierung des DDR-Untergangs auf der Folie der Insel Hiddensee, „Kruso“, verkörpert eine gesellschaftspolitische Brisanz, die zudem erzählerisch brillant ausgearbeitet ist.


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