Preis der Leipziger Buchmesse 2012 – die Nominierten der Kategorie Übersetzung

Wenn es darum geht, einen großen Literaturpreis zu vergeben, wird immer schon Wochen, gar Monate vorher darüber spekuliert, wer denn die Auszeichnung verdient hat. Sehr häufig gewinnt dabei dann jemand, den man gar nicht auf den oberen Plätzen und somit zu den heißesten Kandidaten gezählt hat. Denken wir nur mal an den letzten Literaturnobelpreisträger. Bei der Leipziger Buchmesse werden auch große Preise verliehen und auch, wenn es sich dabei nicht um den Preis der Schwedischen Akademie handelt, darf man bereits eifrig über einen Sieger spekulieren. So werfen wir heute mal einen Blick auf die Nominierten der Kategorie Übersetzung.

„Parallelgeschichten“ von Péter Nádas (Christina Viragh)

Nádas präsentierte 2005 in Ungarn das „Krieg und Frieden des 21.Jahrhunderts“ und ähnlich wie Tolstoi ist sein Werk eine Sammlung, die sich aus vielen kleinen Puzzleteilen zusammenbastelt. Alles beginnt mit einer Leiche, die im Jahr 1989 im Berliner Tiergarten gefunden wird. In der Folge wird ein Panorama aufgebaut, das deutsche und ungarische Geschichte brillant verbindet.

„Mademoiselle de Maupin“ von Théophile Gautier (Caroline Vollmann)

Gautier ist ohne Frage recht schwere und vielen wohl unverträgliche Kost. So ist die Geschichte rund um eine Dreiecksbeziehung stets durchzogen von lasziver Erotik, die dem einen oder anderen ein Dorn im Auge sein könnte. Gespickt mit zahlreichen erotischen Momenten dreht sich alles um die Rolle von Frau und Mann sowie den unbedingten Willen, die eigene Begierde auszuleben.

„Der Tunnel“ von William H. Gass (Nikolaus Stingl)

Dass auch Männer übersetzen können, beweist Nikolaus Stingl mit seiner Adaption von Gass´ Meisterwerk. Eigentlich ist die Arbeit von Professor Kohler zum Dritten Reich so gut wie fertig. Doch als sich der Akademiker an die Einleitung heranwagt, beginnt er auch fernab der Wissenschaft das Thema zu reflektieren. Zum Vorschein kommen nun seine menschlichen Abgründe, die auch ihn hinunter ziehen.

„Feuerköpfe“ von Vladimir Zarev (Thomas Frahm)

Mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt sich auch die nächste Nominierung, wobei es mehr um die Zeit kurz danach geht. „Feuerköpfe“ dreht sich um das Schicksal der bulgarischen Bevölkerung. Der Einmarsch der Russen bewirkt eine genaue Beschäftigung mit den Taten jedes Einzelnen zur Nazizeit. Gepaart mit dem Willen, den Sozialismus zu verbreiten, bleibt das Thema Ideologie so omnipräsent.

„Nie war es herrlicher zu leben“ von Herzog von Croÿ Emanuel (Hans Pleschinski)

Ein Tagebuch eines Adligen mit deutsch-französischer Herkunft soll die Liste der fünf Kandidaten schließen. Unnachahmlich übersetzt Pleschinski das Werk des Herzogs, der neben zahlreichen Berühmten seines Jahrhunderts auch an das höfische Leben und große Ereignisse wie die Französische Revolution oder folgenreiche politische Hinrichtungen erinnert.


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