Nur eine weitere Leiche

Warum Tom Rob Smith für seinen ersten Thriller den Titel „Child 44“ (deutsch: „Kind 44“) gewählt hat, das kann ich noch nicht genau sagen, ich vermute aber, es hat einen äußerst regimekritischen Hintergrund. Das Werk beschreibt die Arbeit des Geheimoffiziers Leo Demidow, für den im stalinistischen Moskau alles zu viel wird. Wieder einmal wird auf den Bahngleisen in der Moskauer Umgebung eine Leiche gefunden. Es handelt sich um einen kleinen Jungen, dessen Todesursache bisher ungeklärt ist. Dabei soll es auch bleiben, denn in Zeiten eines Stalins gibt es in der Sowjetunion keine Verbrechen mit Todesfolge, es gibt nur durch Unfälle Verunglückte.

Demidow hat schon seit längerem etwas gegen dieses Verschleiern der Tatsachen und das simple Unter-den-Tisch-Kehren der administrativen Kraft. Als eine weitere Leiche gefunden wird, entschließt er sich schließlich, auf eigene Faust zu ermitteln, ganz auf sich allein gestellt und mit gefährlichen Gegnern, wie sich schon bald herausstellen soll. Leo unterschätzt das Ausmaß seiner Mission und gerät schon bald in große Gefahr. Smiths Thriller entspringt zwar der Fiktion, über die reale Darstellung der sowjetischen Verhältnisse in und selbst Jahre nach dem Krieg kann aber niemand hinwegsehen. Ein totes Kind, was nur zu einer Nummer wird und ein engagierter Bürger, der das einzig Richtige tut und nach der Wahrheit sucht, bilden den Rahmen für einen hochintensiven Roman, der für reichlich Faszination sorgen wird.


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