Nullnummer von Umberto Eco – Unser Buchtipp

Eco - NullnummerSchon über 80 und dennoch mit einem Geist versehen, der immer noch so einige jüngere Kaliber deutlich ins Schwitzen bringt. Genau das ist Umberto Eco, einer der größten und vielschichtigsten Literaten, die heute auf dem Erdball zu finden sind. 1932 in der italienischen Region Piemont geboren, hat er sich zu einem der Intellektuellen des 20. Jahrhunderts aufgeschwungen, zu einem der bedeutendsten Schriftsteller. Sein größter Roman „Der Name der Rose“ gilt als eines der Bücher, das jeder gelesen haben sollte, „Das Foucaultsche Pendel“ als Inbegriff des mythischen Verschwörungsromans. Selbst der geschulteste Eco-Leser wurde zuletzt bei „Der Friedhof in Prag“ mit großer Verwunderung zurückgelassen. Nun präsentiert der 83-Jährige Semiotik-Professor sein neuestes Werk „Nullnummer“ – ein Kriminalroman über die tief verankerte Korruption in der italienischen Medienwelt.

„Nullnummer“ berichtet von Korruption, Verschwörung und Intrige

Nullnummer“-Protagonist Colonna, wie so viele von Ecos Akteuren aus der Schriftartenliste von Microsoft Word entlehnt, hat sein Germanistikstudium abgebrochen, sich mit ein paar Übersetzungen und Rezensionen bisher über Wasser gehalten, aber noch nicht so recht Fuß im Berufsleben gefasst. Auch ein paar Krimis, die er unter einem Pseudonym herausbrachte, konnten zunächst nicht den gewünschten Erfolg bringen. Insofern kommt das Angebot eines Mailanders Redakteurs nicht ganz unrecht. Besagter Simei soll für den Verleger Vimercate (Parallelen zu Berlusconi sind nicht zu übersehen) ein Jahr lang Probeausgaben einer neuen Zeitung auf den Markt bringen. Zeitungen, mit denen genau betrachtet Einfluss gewonnen werden soll. Colonnas Aufgabe besteht darin, einzelne Artikel für die Zeitung zu kreieren und gleichzeitig als Ghostwriter eine Art Heldensaga auf den Chefredakteur zu schreiben. Genau genommen also zwei vollkommen entgegengesetzte Arbeitsaufträge.

„Nullnummer“ ist ein tolles Süppchen mit vielen Leckerbissen

Die Neuerscheinung, die eine Mischung aus Mediensatire, Kriminalroman und Verschwörungsthriller darstellt, greift viele einzelne Elemente der jüngeren italienischen Vergangenheit auf. Zentral dreht es sich um das Wirken von Silvio Berlusconi, zeitlich verankert im Jahr 1992. Colonna kommt der engen Verstrickung von Medien, Wirtschaft und Politik, mit all der Korruption immer mehr auf die Schliche und wird so zum Subjekt, das äußerst gefährlich lebt. Bei ihm wird eingebrochen, weil jemand an sein brisantes Material gelangen möchte. Ab diesem Punkt erzählt Eco aus der Retrospektive. Er beweist in „Nullnummer“ mal wieder ein gutes Gespür für Charaktere, die Eindruck hinterlassen und die idealen Protagonisten in einer Geschichte sind, die historische Marker zu einem undurchdringlichen Geflecht verweben. Vatikan-Bank, Geheimloge P2, Mafia und führende Politiker werden da in den Suppentopf geworfen. Selbst der Duce ist bei Eco gar nicht tot, sondern einfach nach Argentinien emigriert. Diese Mixtur wird mit wachsendem Interneteinfluss und einem anhaltenden Medienwandel gewürzt und einmal kräftig durchgerührt, so dass sich daraus ein provokativer Roman mit 240 sehr aufregenden Seiten ergibt.


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