Musiktipp: Staubkind – Staubkind

Die Band „Staubkind“ klingt im ersten Moment wie ein Zwillingsprojekt der bereits etablierten Unheilig-Kombo, will aber anders sein. Grund genug ein Mal genauer hinter das CD-Cover zu linsen und der Frage nach einer möglichen Kopie auf den Grund zu gehen.

Gotische Ornamentik statt Hello Kitty Accessoires

Das Soloprojekt von Louis Mankel ist in der „Schwarzen Szene“ mit seinen Synth-Rock-Klängen bereits seit 2003 bekannt. In seiner zweiten Formation, Terminal Choice, übernahm er lediglich den Part des Gitarristen. Hier zeigten sich die Texte in ihrer Auswahl noch recht speziell: Mit „Liebe, Tod und Zerstörung“ erscheint man sicher nicht auf der neuen Fahrstuhlhits-Compilation. Als Alleinentscheider der Staubkind-Ära entschied er sich für weniger extreme, massenkompatible Gefühlswelten irgendwo zwischen Wolfskind und Evanescence. Natürlich bekommen wir es auch hier mit einer morbiden Vanitas-Romantik zu tun, die in einer barocken Sprache ihren Ausdruck findet. So manche inhaltliche Aussage scheint auch dem Reim geschuldet, denn kaum ein Lied, das ganz auf „Herz und Schmerz“ verzichtet. Aber machen wir uns nichts vor: Schwermut findet Absatz. Eine ganze Subkultur schwört auf die immer gelebte Melancholie des Seins und gibt das eisern gesparte Geld lieber für gotische Ornamentik als Hello Kitty-Accessoires aus. Davon lebt auch Staubkind.

Im Schonwaschgang weichgespült

Scheinbar zeichnet sich diese Szene aber auch durch eine auffallend hohe Bereitschaft aus, einander zuzuarbeiten. Die Staubkind-Historie benennt nicht viele Kooperationspartner für Songs und Remixe, doch die wenigen dafür mit einer besonders häufigen Wiederkehr. Gerade die Herrschaften um Unheilig zeigen sich als stetiger Hauptact zum Staubkind-Vorprogramm. So scheint es, dass sich das Sprichwort der unnachgiebigen Tropfen auf dem heißen Stein abermals bewahrheitet, denn aus dem Dunkel des Undergrounds dringt ein zartes Licht – aber zugegebenermaßen diffus, als wäre ein schwarzer Lampenschirm gespannt. Doch was nicht ist, kann ja noch werden! Unheilig haben vorgelebt, welche kommerzielle Wechselwirkung der musikalische Schonwaschgang zur Folge hat. Dies ist für die Fans der ersten Stunde natürlich Verrat an der Sache und ein ehrlicher Widerspruch kann hier nur bedingt erfolgen. Im Business heiligt der Zweck eben die Mittel.

Neuer Keyboarder, neues Label, neuer Produzent

Für das neue Album wurde kein Stein auf dem anderen gelassen. Es erscheint unter dem Label „Out of Line“ und dem bereits einschlägig bekannten Produzenten Henning Verlage, der sich auch für Unheilig an die Regler setzt. Außerdem steigt Pianist und Keyboarder Henrik Böhl als festes Mitglied bei Staubkind mit ein und wird schon ab diesen Sommer mit auf Tour gehen. Kennengelernt haben sich beide durch die Arbeiten am Album, für die sich Mankel verstärkt zurückgezogen hatte. Schon im Februar stellten er und sein Produzent eindeutig klar, in welche Richtung es mit der Band in Zukunft gehen würde. Die Vorabsingle „Kannst Du Mich Seh´n“ entspricht in den ruhigen Strophen beinahe peinlich identisch der Stimme und dem Stil des Grafen. Der Refrain macht dann den Unterschied und präsentiert sich weitaus gewaltiger. E-Gitarrenriffs, die Sturmwellen verursachen, treffen auf liebliche Klavier-Breaks. Ein wenig Härte hat sich Herr Mankel wirklich bewahrt und zeigt sich beständig stilbewusst. Auch die früheren Electro- und Industrial-Einflüsse klingen in einzelnen Songs des Albums durch, das insgesamt einen gelungenen Kompromiss zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt.

 


2 Kommentare zu “Musiktipp: Staubkind – Staubkind” Eigenen verfassen
  1. mercadee

    Viele haben es schon lange vorausgesehen, viele sind überrascht, einige geschockt. Der Unheilige Fanclub schließt seine Tore zum 15.02.2010. Nicht nur diese Tatsache hat im Fanclub-Forum für einige Diskussion und Unruhe gesorgt. Vielen ist der “neue Weg” von Unheilig (wenn er denn ein neuer ist) suspekt, weil zu kommerziell. Die Fanclub-Hompepage ist nicht meher verlinkt mit der Unheilig-Seite. Die neue Single wird bei MTV und RTL2 gespielt, der Graf trägt seine Kontaktlinsen nicht mehr und gibt Autogrammstunden in Elektromärkten. Auch dass der reale Name des “Grafen” nun bekannt ist , ist einigen zuviel des Guten. Einige drohen schon an, nicht mehr zu den Konzerten zu gehen ihre Karten an die “neuen” Fans verkaufen zu wollen, da sie sich “verraten” fühlen.

    8.07.2012
  2. gold account

    „Nach dem ganzen Hin und Her war mir klar, wenn es mit Unheilig weitergehen sollte, will ich nie mehr von anderen Produzenten oder Musikern abhängig sein. Ich habe gemerkt, dass viele, die dabei waren, nicht meine Hingabe zur Musik aufbringen können. Ich entschloss mich dazu, die weiteren Stücke selber zu produzieren und alleine weiterzumachen und andere Musiker nur noch für Live-Aktivitäten hinzuzunehmen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es das Beste war, was mir passieren konnte. Unheilig bin ich und einige Menschen im Hintergrund, ohne die es Unheilig nicht geben würde“, erklärt der Graf in einem E-Mail- Interview mit dem Terrorverlag am 10. Juli 2003. Für die Live-Auftritte von Unheilig holt sich der Graf nun die Unterstützung von Gastmusikern.

    5.07.2012
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