Musiktipp: Scissor Sisters – Magic Hour

Acht Jahre sind seit dem ersten und letzten wirklich großen Erfolg der Scherenschwestern vergangen. Länger können die extrovertierten Herrschaften nicht von den Lorbeeren ihres Debütalbums leben, ohne einer ungewollten Entwicklung von „hitverdächtig“ zu „mäßig gut, doch wenigstens interessant“ zu erliegen. Für ihr neues Album „Magic Hour“ haben die New Yorker starke Zugpferde eingespannt, die den Karren aus dem musikalischen Graben ziehen sollen, in dem ihre letzen zwei Alben steckten.

Floppende Fledermausfrequenzen

Jake Shears, Sänger und Kopf der Band, gründete die Band zusammen mit Scott „Babydaddy“ Hoffmann bereits im Jahre 2000. Innerhalb der New Yorker Clubszene konnte sich das queere Duo schnell etablieren. Obszöne Texte, eine provokante Bühnenshow und eine Kopfstimme, die Glas zerspringen lässt, waren von jeher wirksame Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Diesem Stil blieben die Beiden auch nach der Neuformierung mit Ana Matronic und Paddy Boom treu, der später durch Randy Echtzeit ersetzt wurde. Noch größere Erfolge als in Amerika feierte das Quartett in England, ihrer selbst ernannten geistigen Heimat, in der ihr Album „Scissor Sisters“ Platinstatus erreichte. Ihr Mischung aus Glam Rock, Funk, Nu-Disco und Electro-Clash sorgte eine ganze Weile für gute Laune und Ohrwürmer in Frequenzen, die sonst nur Fledermäuse von sich geben. Die Anschlussalben „Ta-Dah“ und das 2010 erschienene „Night Work“ floppten allerdings maßlos.

Schlechter Absatz, aber von Kollegen gewertschätzt

Trotz ihrer ausbleibenden Charterfolge schmücken sich die Großen im Business überaus gerne mit den glitzernden Exoten. Elton John, Lilly Allen auch Franz Ferdinand arbeiteten bereits mit den Scissor Sisters und Bono von U2 bezeichnete die Combo als „beste Band der Welt“. Die Medien Großbritanniens beschrieben sie wohlwollend als „bunten Hund der aktuellen Musiklandschaft“ und selbst Lady Gaga wünschte sich ein schräges Stelldichein der Gruppe als Vorprogramm ihres Konzerts.

Die nicht ganz so zauberhafte „Magic Hour“

Das neue Album besticht in erster Linie durch die beeindruckenden Zusammenarbeiten. Beispielsweise treffen wir hier auf Namen wie den deutschen House DJ und Produzenten Boys Noize oder „the god of production“ Pharrell Williams sowie Calvin Harris. Natürlich birgt die gemeinsame Arbeit auch immer die Gefahr, den eigenen Stil zu verwaschen. Leider bestätigt sich dieser Verdacht beim Hören von „Magic Hour“. „Only the Horses“ beispielsweise hätte genauso gut aus den Reglern eines David Guettas stammen können. Eine musikalische Entwicklung, die sich nicht gleich als logisch und richtig erklärt. „Baby Come Home“ ist im Grunde eine schöne Nummer, nur leider langweilt das gemächliche Tempo relativ schnell. „Keep Your Shoes On“ erschreckt beinahe durch einen völlig falsch angelegten und übersteuerten Bass, wenngleich dieser Titel am besten an die kreative Spielfreude früherer Hits erinnert. „Let´s Have a Kiki“ will Spaß machen – mit Ach und Krach – und schafft das glücklicherweise auch. Insgesamt muss und darf man also feststellen, dass der Versuch, gute Musik zu schaffen, zwar nicht gescheitert, aber auch nicht zu einhundert Prozent erfüllt ist. Es wird zweifelsfrei Käufer dieses Albums geben, aber der ganz große Erfolg bleibt sicher aus.


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