Musiktipp: Peter Heppner – My Heart Of Stone

Die männliche Sirene der deutschen Musiklandschaft beehrt uns am 18. Mai mit neuem Liedgut in Form des Albums „My Heart Of Stone“ und der Mission, sich von seinen bisherigen Produktionen deutlich abzugrenzen. Der Hamburger, der seit jeher in Text und Noten Melancholie weckte, verfolgt ab jetzt einen neuen Anspruch: Er wolle weniger introvertiert wirken und seinen Fans einen schnelleren Zugang zu seinen Liedern erlauben. Gegen so eine Absicht ist nicht viel zu sagen, doch bleibt zu prüfen, ob Peter Heppner seinen Overall der Gewöhnung abstreifen konnte und sich in wirklich neuer Mode präsentiert.

Die Anfänge

Der Mann mit der Ausstrahlung eines menschenscheuen Intellektuellen erregte ab 1987 erste Aufmerksamkeit mit seinem Synthie-New-Wave-Pop-ProjektWolfsheim“, das mit „Sparrows and the Nightingales“ 1991 größere kommerzielle Beachtung fand. Trotz vieler paralleler Projekte, die Heppner verfolgte, platzierten Wolfsheim auch in den folgenden Jahren immer wieder Hits in den Charts. „Once in a Lifetime“ und „Kein Zurück“ waren hierbei am nennenswertesten und ebneten ihm den Weg für mindestens ebenso beachtete Kollaborationen mit namhaften Größen wie Schiller und Nena. Seinem Stil, der melancholischen, wenn auch rhythmischen Klangwelten, blieb er trotz der Zusammenarbeit durchweg treu.

Ertrunken in Bedeutsamkeit

An der Seite von Joachim Witt überschwemmte Heppner mit „Die Flut“ Deutschland wochenlang mit einer moralischen Hymne. Genau das ist der Grundtenor seiner Produktionen: nachdenkliche, tiefgründige Texte als Erinnerung an ein besseres Menschsein. Hin und wieder verliert er sich in der Bedeutsamkeit seiner Worte, die der Konsument auf Dauer nur quartalsweise im Radio erträgt. Der Qualität will dabei aber niemand etwas absprechen, aber ähnlich dem mütterlichen erhobenen Zeigefinger wird man auch dieses Mahnen irgendwann leid.

My Heart Of Stone

My Heart Of Stone“ ist in der gleichen Weise künstlerisch wertvoll und stimmlich außergewöhnlich wie all seine Veröffentlichungen davor – My Heart Of Stonedaran besteht überhaupt gar kein Zweifel. Die elf Songs, die entweder auf Deutsch oder überakzentuiertem Englisch dargeboten werden, sind durchbrochen von fünf Instrumental-Intermezzi mit französischem Titel, die thematisch Brücken schlagen sollen von Track zu Track. Prolog und Epilog geben dem Album einen noch dramatischeren Anstrich. Abermals tänzelt Heppners Ausnahmeorgan zwischen verträumten Ambient-Klängen und zackigeren Electro-Beats und hält damit die Überraschung denkbar klein. Mit „Deserve to be alone“ präsentiert er uns eine wunderschöne Ballade, die der Menschen Schmerz bündelt und sicher auch zu trösten vermag. Tanzbar wird es mit dem Bonussong  „Alles klar! – Lied für Wettkämpfe“, der mit seiner Steh-auf-Mentalität auf Motivationssuche geht. Seine Vorabsingle „Meine Welt“ scheint auch die griffigste zu sein. Bei Harald Schmidt präsentierte er beeindruckend eine atmosphärische Akustikversion, die die Erwartungen um das neue Album anfeuerte. Noch mehr kreativen Zunder verheizte er mit dem dazugehörigen Video, das mit seiner Mischung aus Comic und szenigem Streetart-Look an Aufwand und Kosten nicht zu unterschätzen ist.

Fazit:

So bleibt am Ende doch der Wermutstropfen, dass ein Musiker, der verspricht, noch besser zu sein, vorher etwas schlechter war. Das Aufzeigen von gedrungener Andersartigkeit und Veränderung ist überhaupt nicht nötig. Heppner ist besser als solide in seinem Handwerk und kreativem Ausdruck. Seine Texte sind zwar stellenweise phrasenhaft, doch in der Gesamtheit trotzdem poetisch. Seine Stimme ist sein Pinselstrich, Charakter seiner Kunst und findet auch in der Wiederholung einen anderen Ausdruck. Ein gutes Album, dass man ruhig besser bewerben kann!


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