Musiktipp: Maroon 5 – Overexposed

overexposedDie letzten Ausläufer von „Moves like Mick Jacker“ erinnern in ihrer akustischen Wahrnehmung allmählich an einen zertanzten Senioren-Walzer. Hier und da werben kleinere Gastauftritte im Fernsehen für das, was bald kommt. Im Finale von Germany´s Next Topmodel wiederholten sie schlichtweg ihren Auftritt des berühmten Victoria Secrets-Laufstegs und wurden bejubelt wie die Rolling Stones selbst. Am 22.06. präsentieren sie der Welt ihre neue Kreation „Overexposed“, die sympathischerweise nichts Anderes sein will als Pop.

Charmant schmachtender Indie Pop

Der Siegeszug der Band rund um den Frauenschwarm Adam Levine begann im Jahre 2004 und Singleveröffentlichungen wie „She will be loved“ and „This Love“. Der oft charmant schmachtende Indie-Pop mit gesanglicher Ambitioniertheit entpuppte sich als Dauerbrenner und die Band avancierte zum Liebling von Teenies und Presse. Mit über 17 Millionen verkauften Alben, Platinplatten und drei Grammys füttern die fünf Jungs ihre Statistik zum Etappensieg und gehen jetzt in Position, diese Erfolge zu mehren.

Pop – die Fahrstuhlmusik des Lebens

Das Duett mit Christina Aguilera war der erste Hit, der nicht aus der direkten Feder der Maroon 5 stammte. Das ist nichts Besonderes heutzutage und erst recht nicht verwerflich, wenn gleichermaßen eigene Songs komponiert werden. Im Zuge dessen akquirierten die kreativen Entscheider der Gruppe Produzenten wie Max Martin, Benny Blanco und Ryan Tedder, der mit One Republic bereits treffsicheres Hitpotential bewies. Herausgekommen ist eine Platte, die Pop in all seinen Facetten beschreibt, aber auch gleichzeitig allen anderen Musikstilen freundschaftlich die Hand entgegenhält. Endlich eine Band, die das Wort mit den drei Buchstaben nicht verschämt und schuldbewusst flüstert wie ein verbotenes Schimpfwort. Die Verleumdung der massenkompatiblen Bekömmlichkeit findet hier ein Ende. Pop ist der Schlager der Teenies und die Fahrstuhlmusik des Lebens – unser ewiger Begleiter, wenn wir keine Wahl haben. Für Andere ist es einfach nur Musik. Der werfe den ersten Stein, der noch sich noch nie dabei ertappte, einen Hit mitgesummt zu haben. Dieses Album ist die perfekte Antwort auf die letzten Stimmen der Musikkritiker der Hamburger Medien, die urteilten, es handele sich aktuell bei Maroon 5 um die „Rückkehr der Harmlosigkeit“. Dies sind die Folgen einer superlativen Medienlandschaft: Die Menschen sind katastrophen – und provokationsverliebt. Kein Konzert ohne Paukenschlag. Wenngleich Maroon 5 gleichzeitig auch ankündigen, dass Keyboarder Jesse Carmichael die Band auf unbestimmte Zeit verlässt, um sich eigenen Projekten zu widmen. Allerdings wird diese Nachricht sehr wahrscheinlich niemanden verzweifeln lassen. Statt seiner bereichert P.J. Morton das Bandgefüge auf der aktuellen Tour.

rund – ganz ohne Ecken & Kanten

Die Titel im Einzelnen zu beschreiben, hat ungefähr den gleichen Sinn, wie die Unterschiede eines Berliner Big Macs zur Münchener Version zu Songs about Janebenennen. Die beschreibbaren Ecken und Kanten, das Neuartige, Überraschende – dies alles sucht man hier vergebens. Die kalkulierte Chartstauglichkeit ist eben nicht experimentell. Mit Sicherheit streben Künstler nach neuen Klangwelten, die beeindrucken, aber der Druck der Öffentlichkeit frisst jeden Anflug von Kreativität, oben auf dem Zenit des Erfolges. Hier reicht die grobe Zusammenfassung, dass Produzenten und Künstler saubere Arbeit geleistet und mit ihrer Platte zur Qualitätssteigerung innerhalb eines müde belächelten Genres beigetragen haben. Sie haben das Geheimnis der mitreißenden Melodien und klugen Arrangements gelöst und zehnfach angewandt. Dies sichert Maroon 5 zwar nicht das Wohlwollen der Kritiker, aber ein triumphierendes Lächeln beim Geldzählen. Eine Million, zwei Millionen, drei Millionen…


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