Musiktipp: Hot Chip – „In Our Heads”

Da sind sie wieder – die ungekrönten Könige des Electropops! Beinahe mit Taschenrechnergenauigkeit veröffentlichen sie im Zweijahrestakt ein neues Album. Am 08. Juni folgt ihr fünftes Album, von dem sie selbst höchst informativ sagen: „Im Grunde hört es sich an wie Hot Chip!“. Wer Hot Chip noch nicht kennt, dem soll an dieser Stelle geholfen werden.

Zwischen Tetris-Jingle und illegaler U-Bahnhof-Party

Bereits vor 12 Jahren, rechtzeitig zum Millenium veröffentlichte die Londoner Band ihr erstes Album. Alexis Taylor und Joe Goddard werden als Initiatoren dieser mal experimentellen, mal klassisch arrangierten Indie-Klänge benannt. Ihre Musik zeichnet sich durch eine wilde, doch scheinbar musikalisch versierte Mixtur aus basslastiger Akzentuiertheit und melodiöser Verspieltheit aus. Das besondere, ja, dramatische Extra besteht im Einsatz seltener Musikinstrumente wie die Marimba, kombiniert mit souligen Vocals und kindlichen Raps. Irgendwo zwischen Tetris-Jingle und illegaler U-Bahnhof-Party rieselt das Geräuschkonfetti in irritierte Ohren, das man zuletzt als Handyklingelton in den Neunzigern vernahm. Ab 2006 stellten sich neben dem schon vertretenen Wohlwollen des Undergrounds auch kommerzielle Charterfolge ein. „Over and Over“ schaffte den Einstieg in die britischen Ranglisten auf 34 und wurde der beste Track des Jahres.  Auch in Deutschland wurde man dank dieses Songs auf die Ausnahmecombo aufmerksam und im besten Falle Fan.

Nuancierte Tanzwut

Das neue Album „In Our Heads“ erscheint unter einem neuen Label, was der Charakteristika der Hot Chip-Klangwelten nicht negativ entgegensteht. Es ist mehr als angenehm, dass sich nicht jedes kreative Konzept abändern lässt und das sprichwörtliche „Dessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing´!“, an dieser Stelle nicht zur traurigen Wahrheit gereifte.In diesem Zusammenhang bleibt Gossip das beste Beispiel, die ihren musikalischen Schlitten glatt poliert haben und nun fröhlich winkend ins Tal der Belanglosigkeit rodeln. Ganz anders präsentieren sich da Hot Chip, die unverändert mixen, was nicht zusammen gehört. Und doch: Jeder Track ist stimmig und taucht den Hörer in eine andere Nuance der Tanzwut. Auch hier werden wir Zeugen einer musikalischen Zeitreise, die in den Siebziger beginnt und im Futurismus endet. Als Freund der klimpernden Synthesizer bin ich schier begeistert von einer derartig treffsicheren Hitdichte und wehe am Ende skrupellos die böse Marketingflagge mit neongrünen Dollarzeichen darauf – doch einzig im Sinne des Abnehmers: Gute Laune ist käuflich!


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