Musiktipp: Garbage – Not Your Kind Of People

Die unbenannten Helden der Neunziger, Garbage, reihen sich ein in eine Kette „Altstars“, die aus Gründen der bestätigenden Selbstverwirklichung und nicht zum Zwecke eines Mehrverdienstes ein Comeback wagen. Mit ihrem experimentellen Klängen waren sie ein gern gesehenes Unikum in der alternativen Popwelt und ihre Videos waren von maßgebender Qualität. Mit der Ankündigung wächst die Angst: Versuchen die nicht mehr ganzen jungen Musiker, sich den Trends der Zeit anzupassen oder bleiben sie sich treu? Eine Entscheidung, die die Geister scheidet.

Die Nachtigall im Sägewerk

1995, als der Grunge mit Kurt Cobain starb und der Rest Europas zu platten Wortfetzen à la „It´s my life“ im Euro-Dance-Dreieck sprang, formierte Butch Vig, der Produzent Nirvanas, eine Liga der außergewöhnlichen Musiker. Neben Steve Marker und Duke Erikson stand besonders „La MagnetaShirley Manson als Frontfrau im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Da preschte der Rock mit zerstörerischen Gitarrenriffs und abgehackten Drum-Lines durch die Funkwecker, dass es zum morgendlichen Wachwerden keinen Kaffee mehr brauchte. Rock kann jeder, wenn er nur laut sein will. Doch Manson gab dem Quartett das gewisse Etwas, die Würze in der musikalischen Festtagssuppe. Leidend, verrucht, kokett und aggressiv mischte sie ihre überaus melodiösen Gesangsparts zur Werkstattatmosphäre des Instrumentensounds wie eine Nachtigall im Sägewerk. Das war neu. Das war gut. Das erkannte nicht jeder und tanzte weiterhin den „Coco Jambo“. Zusammen mit Radiohead und den Smashing Pumpkins bildeten sie ihr eigenes Genre und das ziemlich erfolgreich. Die Verpflichtung für einen James Bond-Song setzte dem Ganzen die Krone auf.

Subjektive Meinungsmache

Mit dem 2005 erschienenen Album „Bleed like me“ verfrachteten Kritiker sie mit einem Mal ins Exil aller Erfolge. Das Werk sei zu glatt, zu Garbagekonzipiert, hieß es. Pures Gift für eine Band wie Garbage, die von der kreativen Besonderheit lebte. Hätte das Album planlos gewirkt, hätte es eben eine andere Schlagzeile gegeben. Das ist das Leidliche an den Kritiken: subjektive Meinungsmache! Nach einigen Promo-Auftritten und Konzerten brachen sie die Tour ab und zogen sich zurück. Zwischendurch dementierten sie die geweissagte Trennung. Die unüberwindbaren Differenzen, die es zeitweilig gab, scheinen mittlerweile überstanden. Die alte Plattenfirma wurde abgestoßen wie ein Organ, das nicht passt und so veröffentlichen sie ihr neues Album unter ihrem eigenen Label „Stunvolume Records“.

Stil ist keine Mode

Not Your Kind of People“ ist Garbage. Punkt. Neue Lieder im gewohnten Gewand. Punkt. Ernsthaft, liebe Kritiker: GarbageSorgt die Unbeständigkeit und die ewige Reaktion verändernder Trends anderer Musiker, wie „Maybe Gaga“ und Rihanna, mit weniger Stilgefühl so irreführend? Ist es nicht beruhigend, dass es da eine Band gibt, die sich gefunden hat, die frei von Mode und Konkurrenz einfach weiter ihr Ding macht? Fünfzehn vollkommen autark geschriebene und produzierte Titel, die an dem Punkt anknüpfen, an dem sie einst aufhörten, ohne stehen geblieben zu sein, sind ihr Bekenntnis zu sich selbst. Der Opener des Albums, „Automatic Systematic Habit“, geht engagiert nach vorne. Wenn Muse und The Killers noch schüchtern auf dem Keyboard das Lied der Bekömmlichkeit klimpern, hauen Garbage richtig rauf und rein. Mit „Big Bright World“ erleben wir die Auferstehung eines tot geglaubten Hörerlebnisses der Jahrtausendwende. Doch auch leise, süffisant betrunken dahindümpelnd, überzeugen sie mit dem Song, der dem Album den Namen gab:„Not Your Kind of People“. Diese Lobeshymne zählt 15 Strophen, denn alle Tracks wirken authentisch, rund und genau richtig. Ein Comeback ohne Abschied wie erholt nach der Pause.


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    6.06.2012
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