Musiktipp: Chris Brown – Fortune

Chris Brown hätte sicher nichts dagegen, die Gerichtssäle der jüngsten Vergangenheit wieder mit den umjubelten Bühnen dieser Welt einzutauschen. Die Aussage, auch schlechte Publicity sei Publicity, verliert irgendwann an positiver Wirkung. Wer Chris Brown und sein neues Album „Fortune“ im Internet sucht, findet noch immer nur Auskünfte zu Prügelattacken und immer wieder verlegter Veröffentlichungstermine. Mr. Brown hüllt sich in Schweigen, gibt keine Erklärungen zu den Verzögerungen und hofft wahrscheinlich, dass am Ende alles gut wird. Für die Reanimation der Fangunst ist dieses Verhalten sicherlich nicht sehr förderlich.

Talent & Buße

Schon im März wollte Chris Brown mit neuer Musik von den Ruf zerstörenden Vorkommnissen der letzten zwei Jahre ablenken. Der Segen um die Vorteile, eine berühmte Person zu sein, kehrt sich bei Fehlern aller Art in einen Fluch des medialen Spießroutenlaufs um. Damit leben Stars und achten darum im besten Fall peinlich genau auf ihr Image. Chris Brown aber unternahm die größtmögliche Dummheit, indem er seiner damaligen Freundin Rihanna ein Veilchen schlug, dessen Dasein dem öffentlichen Fokus keinesfalls entgehen konnte. Was Rihanna absatzfördernd nutzte, wurde Browns vorläufiger verdienter Ruin. Ein Künstler mit weniger Talent und nicht so einflussreichen Freunden könnte an dieser Stelle bereits das letzte Geld für den Ruhestand in der medialen Isolation zusammen kehren. Bereits das letzte Album wollte bedeutungsschwangere Buße leisten und erschien unter dem doppeldeutigen Titel „F.A.M.E.“. „Forgiving All My Enemies“ und „Fans Are My Everything“ waren sein moralischer Appell und fast schon erwartete Aufarbeitung der Vorwürfe. Musikalisch fand dieses Album mit einem Grammy Bestätigung, doch das Bild des smarten U.S.-Amerikaners bleibt beschädigt.

Qualität frisst Schuld

Die stotternde Veröffentlichung von „Fortune“ ist ein nervender Umstand, der die Frage nach einem „Warum“ schürt. Schon im Februar wurde die Trackliste des Albums veröffentlicht. Darauf folgten mit „Turn Up The Music“ und „Don´t wake me up“ zwei Vorabsingles, deren Qualität überzeugte und die Neugier anfeuerten. Das Video zu „Turn Up The Music“ lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Mann ins Rampenlicht gehört. Die tänzerisch beeindruckende Hommage an Michael Jackson und Fred Astaire trifft auf treibende Euro-Dance-Basslines und seinem unverkennbaren Gesang mit Vibrato und Seele. Mit dieser Zusammensetzung will auch „Don´t Wake Me Up“ gefallen und flirtet berechtigt mit den vorderen Plätzen der Ranglisten. Die Oberflächlichkeit der Texte und musikalische Einfachheit der zuletzt in den 90er Jahren gehörten Schlachtruflieder à la „It´s my life“ ist heute wieder ein Garant für volle Tanzflächen. Dementsprechend gestalten sich auch die Namen der Gastkünstler dieses Albums wie ein Klassentreffen der Neo-Euro-Pop-Parade: Benny Benassi, William Orbit, Calvin Harris, The Underdogs, Pitbull, David Guetta und Nicki Minaj geben der Ausnahmestimme des Raufbolds ein hübsch tapeziertes Zuhause. Während seiner Songauswahl wandelt er zwischen Pop, Hip Hop und R´n´B, experimentiert kreativ mit neu produzierten Tönen, verkneift sich aber auf der Suche nach Gefallen auch die Kinderei eines glücklichen Xylophons nicht. Die Vorzüge seines körpereigenen Instruments strahlen am besten in seinen ruhigeren Nummern wie „Don´t Judge Me“, die in ihrem Aufbau und mit ihrer Dramatik an das einstige Duett „No Air“ mit Jordan Sparks erinnert. Alle schnelleren Songs zielen auf eine temporäre musikalische Mode ab und werden genau so lange gespielt, wie sie diesen Trend bedienen. Heute und hier jedoch ist ein gutes Album entstanden, das für Können steht. Hervorragender Gesang, außergewöhnliche Choreographien und ein Team aus den besten Produzenten dieser Welt sind eine starke Mannschaft im Kampf gegen alte und neue Vorwürfe. Weniger als das wäre auch nicht angebracht und ratsam. Doch am Ende wird jeder selbst urteilen müssen.

 


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  1. Tino

    Grandioses Album.

    8.07.2012
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