Musiktipp: Amy Macdonald – Life In A Beautifil Light

Die 1987 in Glasgow geborene Schottin hatte nie vor, ein großer Star zu werden. Sie machte Musik der Musik wegen und nicht aufgrund eines eventuellen Ruhms in der Folge. Wenn eine Sache so sehr aus dem Herzen kommt, dann ist ein Erfolg beinahe vorherbestimmt. Auch ihr neues Album „Life In A Beautiful Light“ ist unverändert natürlich wie selbst und gerade darum so bekömmlich.

Plötzlich berühmt

Amys erste selbst gekaufte CD war „The Man Who“ von Travis. Diese Band beeindruckt durch dramatische Melodieführungen und eine feinfühlige Stimme. Gerade in Großbritannien gelten die Jungs der Band als Superstars. Für Amy waren sie Ansporn, selbst Gitarre spielen zu lernen und dann eigene Lieder zu komponieren. Als sie fünfzehn war, wurde sie in ihrer Schule von einer Agentur entdeckt, die junge Talente förderte. Da sie zu diesem Zeitpunkt sogar schon eigenes und vor allem gutes Liedgut besaß, dauerte es nicht sehr lange, bis sie sich auf kleineren Bühnen in Glasgow wiederfand. Bis hierher handelte es sich zwar um einem bemerkenswerten musikalischen Rahmen, aber niemals um den Status, den sie heute besitzt. Ihre eigentlichen Pläne sahen ein Studium in Sozialwissenschaften vor, das sie sicher auch mit Bravour gemeistert hätte. Dummerweise kam etwas dazwischen: eine Weltkarriere. Ihr Debütalbum „This is the Life“ räumte beinahe alles ab, was das Business an Preisen bereit hält und sicherte ihr von jetzt auf gleich eine riesige Fangemeinde. Auch „A Curious Thing“ bestätigte ihren Erfolg und mehrte ihn sogar. Jetzt, mit ein wenig Abstand zu den ersten zwei Alben, war man gespannt, in welche Richtung sie einschlagen würde. Die Musikwelt ist ein Trend-Uhrwerk und wenn du die Mode verpasst, dann ist auch deine Zeit abgelaufen. Dies galt bisweilen für viele Künstler. Daraus ergeben sich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man macht mit oder eben nicht. Das „Ebennicht“ lässt sich nur realisieren, wenn du selbst der Trend wirst, indem du dich andauernd wieder neu erfindest (siehe Lady Gaga) oder einen zeitlosen Stil hast, der dir entspricht und den andere mögen.

unvollendet, doch vollkommen

Der Stil von Amy Macdonald lässt sich nicht so einfach beschreiben, wie es vielleicht scheint. Der Zuhörer findet melodiösen Gitarrenpop mit Country-Elementen versetzt, vornehmlich aber Folk-Einflüsse, die sie zeitweilig bis an die stilleren Grenzen des Rocks steigert. Dazu gesellt sich diese Stimme, die zwar nicht von Versiertheit zeugt, aber klingt wie Morrisseys Schwester – und das ist etwas sehr Gutes in meiner Welt. Etwas Dumpfes umgibt sie. Man kann sie nicht wirklich als klar beschreiben, sondern eher als unvollendet und doch auf eigene Art vollkommen. Wenngleich man ihre Unsicherheit in den Höhen und Tiefen bemerkt, könnten diese auch eine sympathische Eigenheit der Stimme sein. Auf jeden Fall ist sie unverkennbar.

Moderner Minnegesang mit Hitpotenzial

Der Klang des neuen Albums ist keine wirkliche Überraschung. Sie macht da weiter, wo sie aufgehört hatte. Doch wirkt das neue Werk konzeptioneller, erwachsener und professioneller als die vorigen. Wie eine moderne Minnesängerin erzählt sie Geschichten aus ihrem Alltag, die sie mit Lektionen und Botschaften verknüpft. Dabei spielt sie mit der Rhythmik früherer Epochen („Pride“), ohne experimentell zu werden und bedient sich beinahe durchweg der gleichen Auswahl an Instrumente. Hier jetzt also einen besonderen Auszug zu benennen und diesen zu beschreiben, fällt schwer. Interessant ist der Titel „Slow it down“, in dem sie gegen sich selbst singt. Die Schwierigkeit, hier den Takt zu treffen, kann leicht in Dissonanzen ausufern, die sie aber mit der Sicherheit eines musikalischen Fährmanns umschifft. Als Hit prognostiziere ich „The Furthest Star“, der den Zuhörer sofort mitnimmt und über die Länge des Songs trägt. Manche Lieder haben eben das gewisse Etwas. Doch auch alle anderen Songs hört man gerne mehrmalig. Alles richtig gemacht, Miss Macdonald!


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