Mo Yan gewinnt den Literaturnobelpreis 2012

Mo Yan - Das rote KornfeldDer schwedische Lyriker Tomas Tranströmer gewann im vergangenen Jahr schon ein wenig überraschend den Literaturnobelpreis. Nicht weniger unerwartet erscheint die diesjährige Benennung des Chinesen Mo Yan, galten doch vor allem Haruki Murakami und die beiden US-Amerikaner Bob Dylan und Philip Roth als haushohe Favoriten. Dass die Wahl dennoch gerechtfertigt ist, beweist die hohe Wertschätzung, die Mo Yan schon des Längeren entgegengebracht wird. Der ehemalige japanische Preisträger Kenzaburō Ōe beispielsweise plädierte schon vor einiger Zeit für ihn und dürfte der Vergabe nun positiv gegenüberstehen. Lob für die Vergabe gab es auch von Hauptkonkurrent Murakami, der die Leistung des asiatischen Kollegen anerkennt. Dieser darf sich nun mit gerade einmal 57 Jahren über die Auszeichnung für sein Lebenswerk freuen.

Die Kombination aus Märchen, Geschichte und Gegenwart

Das Nobelpreiskomitee begründet die Auswahl vor allem mit seinem „halluzinatorischen Realismus“, mit dem er „Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint“ habe. Gemeint ist damit in erster Linie der begnadete Romanzyklus „Das rote Kornfeld, mit dem der Autor globalen Erfolg feiern konnte. Wie die meisten seiner Geschichten zeigt er dort das bäuerliche Leben am Rande der Gesellschaft inmitten des 20. Jahrhunderts. Dabei durchlaufen die einzelnen Protagonisten kritische Lebensphasen, kämpfen gegen das alltägliche Elend, die Besatzung der Japaner in den 1930ern und befinden sich auf der ständigen Suche nach ein wenig Glück. Im Vordergrund stehen dabei die sehr authentisch dargestellten Leiden der einzelnen Charaktere, wobei es Mo Yan gelingt, diese in einen romantischen Gesamtkontext einzubetten.

Ein vielseitiger Autor, dessen Position sich nicht einschätzen lässt

Mo Yan, der unter dem bürgerlichen Namen Guǎn Móyè in der Provinz Shandong auf die Welt kam, ist in der über einhundertjährigen Geschichte des Literaturnobelpreises der erste Gewinner aus China. Zwar bekam im Jahr 2000 mit Gao Xingjian ein Landsmann die größte literarische Auszeichnung, aufgrund seiner politischen Flucht nach Frankreich aber für seine neue Wahlheimat. Bei Mo Yan ist nicht so ganz klar, wie er die politische Verhältnisse einschätzt. Er selbst sieht die Zensur zum Beispiel als Chance für Literaten, müssten sie deshalb doch ihre ganze Gedankenkraft nutzen, um Inhalte zu vermitteln. Dass er dafür, anlehnend an Márquez und Faulkner Parallelwelten aufbaut, macht das Ganze noch vielseitiger und unterhaltsamer für alle Leser.


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