Marvin Suckut – Logbucheintrag 1: Manchmal im Mai

Ja heiliges Kanonenrohr. Da gewinnt man irgendwie im Vorbeigehen den Bücher.de Poetry Slam und zack, steht einem die die Welt offen. Und mit „Welt“ meine ich, dass ich jetzt für das Onlineportal von Bücher.de schreiben darf….muss…kann…WILL! „Schreiben hält Körper und Geist fit.“ Hat mein ehemaliger Deutschlehrer immer gesagt. Ich schreibe seit sieben Jahren Kurzgeschichten, Gedichte und vieles mehr, und wenn ich so an mir herabblicke, muss ich zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass mein Deutschlehrer, was die Physis angeht, gelogen hat.

Kurz zu mir:24_marvin_s

Mein Name ist Marvin Suckut und ich bin freischaffender Autor und Veranstalter. Ich stehe seit 2009 eigentlich fast ausschließlich auf Bühnen und lese Texte vor. Warum ich das mache? Naja, ich kann ja sonst nichts. In Stuttgart geboren, in dem bescheidenen Örtchen Vaihingen/Enz aufgewachsen und seit 2010 wohnhaft in Konstanz am Bodensee. Wobei „wohnhaft“ eher metaphorisch gemeint ist. Ich habe dort halt eine Wohnung, wohnhaft bin ich aber überall. Wenn man im Jahr auf etwa 200 Veranstaltungen tanzt, ist man eher im Zug zu Hause, als irgendwo sonst.

Manchmal ist es traurig zu merken, dass das halbe Leben in einen Rollkoffer passt. Ich fühle mich oft wie das Schweizer Taschenmesser einer künstlerisch geprägten Besteckschubladengesellschaft, denn die einzig nützliche Funktion von uns Poetry Slammer*innen ist, das wir mit allen nur erdenklichen Objekten Bierflaschen öffnen können. That`s it! Ob mich das stört? Nicht wirklich. Ich habe mir diesen Job ausgesucht und er macht mir Spaß. Ich werde quasi dafür bezahlt mit meinen Freunden auf Slams wundervolle Abende erleben zu dürfen. Wie geil ist das denn? Gut, bisschen was vorlesen muss man auch noch.

Dieses Logbuch dient dazu euch einen kleinen Einblick in das Leben eines Poetry Slammers zu geben. Warum ich mich überreden habe lassen das hier zu schreiben? Schreiben hält fit. Vor allem dann, wenn man sich vornimmt nach jedem Absatz 10 Liegestütze und 10 Kniebeuge macht.

Let the Logbuch begin:

21.05.2016: bücher.de Poetry Slam in der Stadthalle Gersthofen bei Augsburg

Die Anreise zum Slam war sehr entspannt. Am Tag davor war Slam in Salzburg und ich bin zusammen mit dem geschätzten Kollegen Piet Weber nach Augsburg gereist. Wir haben die halbe Zugfahrt damit verbracht herauszufinden, wie man von Hand einen Violinschlüssel zeichnet. Long Story short, sie sahen alle aus wie Penisse mit einem dicken Bauch.

Der Slam an sich war sehr geil, was nicht nur daran lag, dass wir im Backstage das DFB-Pokalfinale schauen konnten, auch sonst war es sehr schön. Es war leider nicht ganz ausverkauft, dafür war die Stimmung allerdings hervorragend. Ich könnte jetzt ganz viel erzählen und meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter loben, aber das wichtigste ist, ich habe gewonnen. Wäre dies nicht passiert, könnten Sie das hier nicht lesen. Punkt. Die Aftershowparty hat der ganzen Veranstaltung aber die Krone aufgesetzt. Es gab Nussschnaps für 1€! Hier endet meine Erinnerung für diesen Tag.

25.05.2016 Open Air Slam Konstanz

Wenn man beim Slam als Veranstalter fungiert, muss man an jede Kleinigkeit denken. Technik checken, Bühne aufbauen, Wechselgeld für die Kasse besorgen, Pizza bestellen, aufstuhlen, abstuhlen und vieles mehr. Aber es lohnt sich. 200 Leute waren beim Open Air Special in Konstanz am Start und es war super schön. Das Wetter hat bis zum letzten Text gehalten, danach Gewitter und Tornado. Die Veranstaltung hat sich also quasi selbst abgebaut. Wir mussten dann nur noch die Stühle aus dem Gebüsch fummeln. Gut, es fehlen jetzt zwei Bühnenelemente, drei Lichtstrahler und der DJ (Er ist sehr leicht), aber sonst geht es allen gut. Und wie das bei Slams so ist, man lädt sich ein geiles Lineup ein und am Ende gewinnt immer Thomas Spitzer.

26.05.2016 Poetry Slam Freiburg

Der älteste Slam Baden-Württembergs. Seit 1996 gibt es die Veranstaltung hier schon und das Publikum bekommt einfach nicht genug. Vor dem Café Atlantik wurden 30° gemessen, im Café selbst müsste es etwa 2000° gehabt haben. Als Moderator hat man in solchen Situationen die Angst, dass ein Jurymitglied beim Hochhalten der Jurytafel einfach kollabiert. Allein der Schritt von meinem Platz auf die Bühne bringt mich nach den ersten 5 Poet*innen an meine körperlichen Grenzen. War trotzdem ein geiler Abend und wie immer hat Thomas Spitzer gewonnen. An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass es beim Poetry Slam NICHT um das Gewinnen geht. Es geht um Schnaps, meistens jedenfalls. Und da Thomas Spitzer keinen Alkohol trinkt, ist es auch nicht tragisch, dass er immer gewinnt. Man ist beim Poetry Slam sehr solidarisch und teilt den Schnaps mit allen Anwesenden. Because the Points are not the Point. The Point ist Poetry … and to get drunk.

27.05 Poetry Slam Friedrichshafen

Der einzige Grund, warum Thomas Spitzer diesen Slam nicht gewonnen hat, war, weil er nicht da war. Ich habe ihn extra wieder ausgeladen, damit die anderen auch mal eine Chance haben. Aber ich glaube selbst das ist keine Garantie bei diesem Mann. Wer das „wieso“ wissen will, sollte sein Buch lesen. Es ist quasi wie Sex, wie Thomas selbst sagen würde.

Link zum Buch: http://www.thomas-spitzer.de/buch/

Auch Friedrichshafen war wieder voll. 250 Leute in der Kulturcaserne und jetzt halte ich den neuen Roman von Volker Surmann in den Händen, den ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe. Also den Roman, nicht Volker.

Link zum Buch: http://neu.volkersurmann.de/?page_id=30

29.05 Poetry Slam München

Die Slams in München sind immer eine Reise wert. Egal ob Substanz Slam, Isar Slam, oder so wie heute, der Slam im Lustspielhaus in München-Schwabing. Bumillo, der Moderator ist einer der sympathischsten Menschen, die ich kenne und er hat nicht ohne Grund mittlerweile seine eigene Show im Bayrischen Rundfunk. Dieser Mann könnte sogar Beatrix von Storch ein Lächeln ins Gesicht zaubern, kein Scheiß. Der Slam an sich war super schön, Thomas Spitzer und ich standen zusammen im Finale. Und gewonnen hat….Marvin Suckut. Was? Echt? Gegen Thomas Spitzer? Ja, hat mich auch gewundert. Thomas macht grad Low Carb. Vielleicht fehlte ihm einfach ein bisschen Energie und ein bisschen Lust.

Es gibt doch hin und wieder Wunder. Manchmal…im Mai. Oder um es in den Worten von Jan Koch zu sagen:

„Manchmal im Mai bin ich ziemlich August,
aber du noch Dezember in Fragen der Lust.“

Link zum Lied: https://www.youtube.com/watch?v=Wi0GMmRRPZ0


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