Marcel Reich-Ranicki ist heute 90 Jahre alt geworden

Der bekannteste und so mancher Meinung nach beste Kritiker Deutschlands, Marcel Reich-Ranicki, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Wie man heute in verschiedenen Zeitungen lesen kann, hat er allerdings wenig Lust auf die Festlichkeiten, die am kommenden Wochenende in der Frankfurter Paulskirche stattfinden. Trotzdem soll ihm die Ludwig-Börne-Ehrenmedaille überreicht werden. Zu Ehren Ranickis wird Entertainer Harald Schmidt Brecht-Lieder singen und Thomas Gottschalk eine Rede halten. Doch eigentlich graust es Ranicki davor. „Ich bin in einer schwierigen Situation“, sagte er jetzt in Interviews„ denn solche Anlässe bergen erfahrungsgemäß die Gefahr von Intrigen. Im Laufe meines Lebens habe ich mich jedoch daran gewöhnt.

Ein Leben – reich an Trauer, Glück und Talent

Reich-Ranicki wurde am 02. Juni 1920 in Włocławek an der Weichsel geboren. Dort besuchte er eine deutsche Schule und verbrachte seine Jugend in Berlin. Sein Abitur machte er auf dem Fichte-Gymnasium. Im Herbst 1938 wurde er verhaftet und nach Polen ausgewiesen, wo ihn doch auch glückliches erwartete und er seine spätere Ehefrau Teofila Langnas kennenlernte. Sie heirateten 1940, nach der Zwangsumsiedlung ins Warschauer Ghetto. Zu dieser Zeit arbeitete Reich-Ranicki als Übersetzer und schrieb unter dem Pseudonym Wiktor Hart Konzertrezensionen für die Ghettozeitung „Gazeta Żydowska„. 1943 konnten er und seine Frau aus dem Warschauer Ghetto flüchten. 1948 wurde er unter anderem Namen zum Vize-Konsul an der polnischen Botschaft in London. Er war dort zuständig für die Rückführung polnischer Emigranten. Ende 1949 kehrten er auf eigenen Wunsch zurück nach Warschau.

1958 wanderte er in die Bundesrepublik Deutschland aus. Von 1960 – 1973 war er als Literatur-Kritiker tätig, 1973 bis 1988 leitete er die Literaturredaktion des buecher.de-Partners „Frankfurter Allgemeinen Zeitung„. In diese Zeit fällt sein Mitwirken am Aufbau von Institutionen der deutschsprachigen Literatur wie der „Frankfurter Anthologie“ und dem Ingeborg-Bachmann-Preis. 1988 begann er mit der Leitung des „Literarischen Quartetts“, die ihn zum wichtigsten und beliebtesten Literatur-Kritiker Deutschlands machte.

Auch seine eigene Geschichte veröffentlicht er in „Mein Leben“. Die 1999 erschienene Biografie erhält 2005 den Staatspreis von Nordrhein-Westfalen und ist unser Literatur-Tipp zur Feier des Geburtstages diesen großen und charismatischen Mannes.

In diesem Sinne, alles Gute Herr Reich-Ranicki!


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