Das Märchen der Märchen – Unser Filmtipp

Das Märchen der MärchenDie einzelnen Episoden aus dem legendären arabischen Schriftstück „Tausendundeine Nacht“ gelten noch heute als absolut hochwertige Lektüre. Eine Art Äquivalent bilden hierzulande die Märchen, die von den Gebrüdern Grimm zusammengesammelt wurden. Wenn man diese beiden miteinander vereint und dazu noch den Esprit des Italieners Pier Paolo Pasolini injiziert, erhält man „Das Märchen der Märchen“ von Matteo Garrone. Dieser machte in der Vergangenheit bereits mit der Verfilmung von Roberto Savianos Mafia-Dokumentation „Gomorrha“ auf sich aufmerksam. Mit seiner bildlichen Abfassung von Giambattista Basiles Märchensammlung „Das Pentameron“ zeigt er, welche Aktualität selbst die thematisierten Inhalte der Geschichten aus dem 17. Jahrhundert haben können.

Bilder aus einer längst vergessenen Zeit

Regisseur Garrone geht sehr feinfühlig mit dem zur Verfügung stehenden Stoff um und spielt sogar ein wenig mit Basiles Meisterstück. Der Zuschauer wird in eine Welt vergangener Tage entführt. In dieser pilgern viele Gaukler und Künstler an den Hof eines Königs (John C. Reilly). Sie alle eint das hoffnungslose Scheitern, der Königin (Selma Hayek) auch nur das geringste Lächeln abzugewinnen. Niemand bringt sie zum Lachen, weil ihr ganzes Wesen von einem innigen Wunsch durchzogen ist. Dem Wunsch nach einem eigenen Baby. Es scheint eine Möglichkeit zu geben, doch die verlangt viel Mut. Ihr Mann müsste ein Seeungeheuer zerlegen und dessen Herz durch eine Jungfrau kochen lassen. Ein anderer Erzählstrang führt zu einem anderen König (Toby Jones). Dieser ist so in seine Insekten vertieft, dass er den Hochzeitswunsch der Prinzessin (Jessie Crave) nicht wirklich wahrnimmt. Durch ein Rätsel soll der richtige Gemahl gefunden werden. Doch natürlich ist der Oger, dem es gelingt, nicht gerade das, was sich Fenizia erhofft hat. Der dritte König (Vincent Cassell) von „Das Märchen der Märchen“ erlebt sein blaues Wunder. Denn es ist die liebreizende Stimme der eher hässlichen Dora (Hayley Carmichael), die ihn in den Bann zieht und nicht wie sonst eine Schönheit.

Das Märchen der Märchen erinnert an das Dekameron

Boccaccios berühmte Novellensammlung „Das Dekameron“ ist eines der größten Erzeugnisse, die das literarische Italien jemals hervorgebracht hat. Natürlich muss sich Garrones „Das Märchen der Märchen“ damit vergleichen lassen. Zumal Pasolini das Renaissance-Werk in toller Feinfühligkeit verfilmt hat. Auch „Das Märchen der Märchen“ macht es sich zur Aufgabe, einem großen Schriftstück gerecht zu werden. Sinnbildlich hierfür ist der Umstand, dass es nicht das allgegenwärtig vermittelte Duell zwischen Gut und Böse gibt, das stets Ersteren als Sieger hervorbringt. Garrone liebt die Ambivalenz und genau diese bestimmt diesen Märchenfilm. Gegenüberstellungen von alt und jung, schön und hässlich, leben und sterben kehren immer wieder und lassen eine Moral oftmals in der Schwebe. Das ermöglicht dem Zuschauer, sich einfach von den gezeigten Bildern treiben und zu ganz individuellen Denkansätzen inspirieren zu lassen.


Leider gibt es noch keine Kommentare Schreib den ersten!
Kommentar schreiben

Folge buecher.de bei Twitter