Der Hof von Simon Beckett – Unser Buchtipp

Beckett - Der HofEinen wirklich guten Thrillerautoren erkennt man nicht ausschließlich daran, dass seine Auflagen zu tausenden von Exemplaren an den Leser gebracht werden. Natürlich ist das ein erstes Indiz dafür. Häufig profitiert er aber auch davon, dass sich der in einer Reihe beschriebene Ermittler, Kriminologe oder sonstige Hauptprotagonist in die Herzen der Leser einbrennt. Sie wollen dann eine neue Geschichte von Robert Langdon, Carl Mørck oder David Hunter. Letzterem verdankt Simon Beckett seinen globalen Ruhm. Vier Fälle hat der begnadete Forensiker bereits lösen können, ein fünfter ist nach Angaben des britischen Schriftstellers bereits am Entstehen. Zwischendurch beweist er aber mit „Der Hof“, dass er selbst ohne seinen Hauptakteuer einen unterhaltsamen Roman schreiben kann, der in Windeseile die Bestsellerliste stürmt. Das nämlich ist es, was einen wirklich großen Literaten ausmacht. Er braucht keine Figur mit Wiedererkennungswert. Es sind seine Geschichten, die viele Leute in den Bann ziehen.

Der Hof beginnt mit einer Flucht

Zu Beginn folgt man einem jungen Mann, der sich in der südfranzösischen Landschaft aus zunächst unbekannten Gründen auf der Flucht befindet. Sean, ein junger Brite, fährt einen Wagen mit blutverschmiertem Sitz und scheint mit rasendem Puls nicht ganz sicher, welchen Weg er einschlagen soll. Ein noch größeres Problem stellt eine rostige Eisenfalle dar, die ihn vorübergehend außer Gefecht setzt. Zwei junge Frauen finden und befreien ihn. Sie bringen ihn aufs familiäre Gut, welches sich als „Der Hof“ direkt im Titel wiederfindet. Auf diesem geht es etwas rau zu, Hausherr Arnaud zeigt sich wenig begeistert und würde Sean am liebsten mit vorgehaltener Waffe vertreiben. Mathilde – eine der jungen Frauen, Arnauds Tochter und gleichzeitig diejenige, die Sean liebevoll umsorgt – hält den Vater davon ab und überredet ihn stattdessen, Sean Asyl zu gewähren, wenn dieser im Gegenzug bei der Instandsetzung des Hofes behilflich ist.

Der Hof erinnert an die früheren Werke Becketts

Da es in der Heimat nichts Positives gibt, was der Leser nach und nach in Rückblenden erfährt, nimmt Sean das Angebot gerne an. Zwar merkt er, dass „Der Hof“ irgendein dunkles Geheimnis verbirgt, er ist aber zugleich die Heimat von Mathilde. Genau dieser kommt der junge Brite immer näher und bringt sich damit zunehmend in Gefahr. Bei einem Ausflug ins nahegelegen Dorf spricht Sean mit einigen Einwohnern und hört dabei weitgehend Gutes über die Familie. Einzig die Warnung, sich von den Töchtern fernzuhalten, lässt Unheil erahnen. Beckett zeigt mit steigender Seitenzahl mehr Puzzleteile, deckt das ganze Übel aber erst spät auf. Bis dahin erlebt man bei „Der Hof“ einen stark psychologisch geprägten Thriller, der weniger an die Spannung der David-Hunter-Reihe und dafür mehr an die früheren Schriften wie „Tiere“ oder „Voyeur“ erinnert. Sean ist zwar ein ganz anderer Charakter als beispielsweise Nigel, der sich Menschen im Keller hält. Auch der scheinbar Gewöhnliche aber hat durchaus bemerkenswerte Züge in sich, die zu einem Leseabenteuer einladen.


Ein Kommentar zu “Der Hof von Simon Beckett – Unser Buchtipp” Eigenen verfassen
  1. Sandra

    Das hört sich sehr interessant an. Ich habe bereits viele Simon-Beckett-Bücher gelesen, lediglich mit „Voyeur“ habe ich mich etwas schwer getan. Die anderen allerdings habe ich „in einem“ durchgelesen. „Der Hof“ kommt auf meine Wunschliste! Danke für den Tipp.

    4.03.2014
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