Das war Helmut Schmidt

Ein echter Helmut SchmidtWir haben in diesem Jahr eine ganze Reihe an großen Persönlichkeiten verloren. Einen Udo Lattek, einen Hellmuth Karasek, einen Pierre Brice. Seit der vergangenen Woche müssen wir auch Helmut Schmidt in die tragisch lange Liste der vielen Verstorbenen des Jahres 2015 einfügen. 96 Jahre sind ohne jedes Wenn und Aber ein stolzes und vor allem langes Leben, von dem viele nur träumen können und eines, bei dem man sagen kann, er hat sein Leben gelebt. Dennoch reißt der Tod des beliebten Altkanzlers ein großes Loch in unsere Gesellschaft. Eine Lücke, die sich so schnell nicht wieder füllen lässt. Helmut Schmidt war der Inbegriff des charismatischen und geradlinigen Politikers. Was bleibt, ist die Erinnerung an ihn und es gibt kaum etwas Besseres, einen Menschen zu beschreiben, als mit den Worten, die andere für ihn fanden oder gar er selbst zu Papier brachte.

Unterhaltsame Gespräche zwischen Altkanzler und Autor

Ein gebürtiger Hanseate – genau mit dieser hanseatischen, nicht immer mit der Meinung aller konformen, Art hat sich Helmut Schmidt dazu aufgeschwungen, die politische Landkarte Deutschlands mit seiner ganz eigenen Note zu versehen. Es ist ihm gelungen, das beweist nicht zuletzt das gigantische Medienecho nach dem Bekanntwerden seines Todes. Natürlich gab es gerade in den letzten Jahren auch einige literarische Werke, die seinen Wert für unser Land und den immer noch anhaltenden Einfluss auf führende Politiker deutlich machten. In „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ zeigte Giovanni di Lorenzo den immer noch frischen Geist des fünften Bundeskanzlers der Bundesrepublik. In den Gesprächen, die aus wöchentlichen Treffen der beiden resultierten, begegneten sich Autor und Altkanzler stets mit gegenseitigem Respekt und wortgewandten Argumentationssträngen über die alltägliche Politik und das Leben.

Ein echter Helmut Schmidt

Eindrucksvoll ist auch Jost Kaisers Darstellung „Ein echter Helmut Schmidt“. Dank gesammelten 105 hübschen Anekdoten aus dem Leben des früheren Mitherausgebers der Zeitung „Die Zeit“ bekommen selbst jene ein Bild von Helmut Schmidt, die ihn nie als Politiker haben wirken sehen. Sie lernen einen sehr vielschichtigen Mann kennen und können nach Lektüre von Kaisers Hommage verstehen, was diesen Mann so bedeutend für unsere Geschichte macht. Zeitzeugen werden auf das eine oder andere Schmankerl treffen, von dem man in dieser Form noch gar nichts vernommen hat. „Was ich noch sagen wollte“ ist Schmidts persönliches Werk und eine Bilanz, die er sieben Jahre nach seinem politischen Karriereende zusammengetragen hat. Das Buch steht unter der zentralen Frage, ob wir Vorbilder brauchen und ist eine tolle Übersicht über all jene, von denen Helmut Schmidt geprägt wurde. Darunter befinden sich Cicero und Marc Aurel, Kant und Popper, aber auch Schulfreunde und selbstverständlich Loki.


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