Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee – Unser Buchtipp

Lee - Gehe hin, stelle einen WächterHarper Lee ist ein wirklich außergewöhnlicher Fall. Mit nur einem einzigen Werk schaffte es die US-Amerikanerin, einen Meilenstein in die Historie zu setzen. Obwohl „Wer die Nachtigall stört“ bis zuletzt das einzige Schriftstück war, das von ihr jemals an die Öffentlichkeit gebracht wurde, ist die heute 89-Jährige international bekannt und eine der größten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Mehr als vierzig Millionen Exemplare des Romans wurden verkauft, Harper Lee dafür unter anderem mit dem begehrten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Nun, 55 Jahre nach ihrem Welterfolg und mit fast 90 Jahren ist unter dem Titel „Gehe hin, stelle einen Wächter“ eine Fortsetzung erschienen.

Gehe hin, stelle einen Wächter

Jahrzehntelang galt Harper Lee als One-Hit-Wonder, wohlgemerkt das wohl erfolgreichste aller Zeiten. Mit „Gehe hin, stelle einen Wächter“ beweist sie nun das Gegenteil. Die Autorin zeichnet ein Bild des aufgerüttelten Bürgertums im amerikanischen Süden der Post-Weltkrieg-Ära, den Fünfziger-Jahren. Thematischer Schwerpunkt ist die innere Zerrissenheit der Bevölkerung sowie ihre Suche nach einem allgemein gültigen Tugendkatalog. In Alabama ist man sich nicht so ganz im Klaren darüber, wo die neue Art des Glaubens hinführen soll. Vom Norden vorgegeben, fällt es nicht nur den Kirchengängern im Süden schwer, sich an die Umstellung zu gewöhnen. Auch die Kirchenführer selbst haben damit so ihre Probleme. Harper Lee trifft die Atmosphäre im traditionalistischen Süden punktgenau und präsentiert so einen diskursiven Roman, der eine große politische Ebene verzeichnet.

Gehe hin, stelle einen Wächter ist die Sensation des Büchersommers

Ohne Frage war die Veröffentlichung von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ nicht zu erwarten. Harper Lee schien für alle Zeit diejenige Autorin zu sein, die man einzig und allein mit „Wer die Nachtigall stört“ verbindet. Dass die inoffizielle Fortsetzung, die sich doch schon sehr am Vorgänger orientiert und irgendwie auch nur zusammen mit ihm betrachtet werden kann, aber eigentlich das Urmanuskript darstellt, wissen die wenigsten. Entstanden ist der Roman sogar vor dem 1960 veröffentlichten, sollte eigentlich dessen Namen tragen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres aber hielt Harper Lee ihn zurück, der Text galt als verschollen. Die Handlung spielt zwanzig Jahre nach „Wer die Nachtigall stört“, die Protagonisten sind bekannt, wenn auch gealtert. Jean Louise Finch ist mittlerweile erwachsen und von der Zeit geprägt. So stellt sie mittlerweile auch die einstige Instanz, ihren Vater Atticus in Frage.


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