Günter Grass feiert seinen 85. Geburtstag

Günter GrassEs sind die wenigen ganz großen Literaten, an die man sich ewig zurückerinnern wird. Goethe, Schiller und Heine – Das sind die Namen, mit der die deutsche Literatur auch in Jahrhunderten noch in Verbindung gebracht wird. Häufig erhalten sie ihren Legendenstatus erst nach dem Ableben, erst dann wissen wir ihren Wert für unsere Kultur wirklich zu würdigen. Ob das bei Günter Grass auch so sein wird, können wir vermutlich noch nicht sagen. Klar ist jedoch, dass er zu den acht Literaturnobelpreisträgern gehört, die Deutschland bisher verzeichnen konnte. Grass wurde 1999 prämiert „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. Seine ganz persönliche Geschichte feiert heute ihren 85. Jahrestag, wozu wir ihm in dieser Form gratulieren wollen.

Ein Autor, der sich politisch engagiert

In seinem autobiografischen Werk „Beim Häuten der Zwiebel“ aus dem Jahr 2006 sprach Grass erstmals über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Nach eigenen Angaben zeigte er sich zwar zu keiner Zeit begeistert von den Ansichten der Nationalsozialisten, doch bei einer Geburt 1927 kam man eben nicht drum herum, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Später, wo er die größere Möglichkeit sah, sich zu betätigen, wurde Grass politisch gesehen immer aktiver. In seiner langjährigen Mitgliedschaft in der SPD zeigte er teilweise kontroverse Ansichten und scheute nicht davor zurück, die Plattform zu nutzen, um Kritik zu üben. Dies tat er letztlich auch in seinen Werken, die sich stets mit schwierigen Themen auseinandersetzen und allegorisch Inhalte vermitteln, über die es nach eigenen Ansichten zu sprechen lohnt.

Erst spät zur Literatur gefunden

Nach einer Lehre als Steinmetz in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg probierte Grass sein Glück in der Kunst. Die ersten Brötchen verdiente sich der spätere Präsident der Akademie der Künste mit Grafik und Bildhauerei. Erst Ende der 1950er-Jahre widmete sich Günter Grass dem Schreiben, das sich fortan als ein sehr erfolgreiches Betätigungsfeld herausstellen sollte. Waren die Anfangsjahre vor allem durch Theaterstücke und eine sehr facettenreiche Lyrik geprägt, sorgte sein Roman „Die Blechtrommel“ 1959 für den großen internationalen Durchbruch. Die damit begonnene Danziger Trilogie wurde in den Folgejahren um „Katz und Maus“ und „Hundejahre“ erweitert. In ihr diente das Schreiben für Grass persönlich in erster Linie der intensiven Verarbeitung vergangener Geschehnisse. Für den Leser bieten sie wie auch alle folgenden Werke großartige Literatur, mit der uns der Nobelpreisträger hoffentlich noch viele Jahre beschenkt.


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