„Gott sagte, es werde Licht…

Von Henrik Eberle

Maussollos „Gott sagte, es werde Licht… … und es ward Licht.“ Nicht nur erhellt endlich das englische Manuskript, worum es im neuen Dan Brown geht. Nein, diese Inschrift findet sich auch auf dem Altar, dessen Standort uns Dan Brown im ersten Kapitel seines Buches mitteilt. Es ist der Tempel des Alten und Angenommen Schottischen Ritus in Washington, D. C., Sechzehnte Straße NW, Nr. 1733. Zugleich erfahren wir, dass dieser Bau die Nachbildung „eines vorchristlichen Heiligtums, des Tempels König Mausolos II.“ sein soll. Jede Nische, jeder Raum habe eine symbolische Bedeutung, sein eigenes Geheimnis. Das klingt geheimnisvoll und war es sicher auch. Heute bieten die Mitglieder des Schottischen Ritus jedoch Führungen an, und im Netz gibt es sogar eine virtuelle Tour (http://www.scottishrite.org/visitors/vtour.html). Teilnehmen an einem Ritual dürfen Uneingeweihte allerdings nicht. Bei der „maurerischen Arbeit“ bleibt der Tempel für Nichtmitglieder geschlossen. Und so bleibt auch Dan Brown bei der Schilderung des Initiationsritus für den 33. Grad etwas vage.

450px The maussolleion model dsc02711 miniaturk nevit „Gott sagte, es werde Licht…Obwohl sich der Architekt John Russel Pope sicher von diesem inspirieren ließ, ist zudem auch die Behauptung ungenau, der Tempel sei eine genaue Nachbildung des Grabmals für Mausolos II. Türkeireisende kennen das Grabmal übrigens, seine Reste kann man in der Touristenhochburg Bodrum, dem antiken Halikarnassos, besichtigen. Verwüstet wurde die gigantische Grabanlage im 14. Jahrhundert von Kreuzrittern – sie brauchten die Steine für den Bau einer Burg. Ein britischer Archäologe ließ die Reste 1856 ausgraben und die wertvollen Funde nach London bringen.

Die Bauarbeiten für den Washingtoner Tempel begannen 1911, aus gutem Grund an genau diesem Platz, denn die 16th Street führt vom Weißen Haus nach Norden und bildet mit dem Washington Monument eine Linie. Auf dem anderen Schenkel des freimaurerischen Winkels findet sich das Capitol. Auch das Datum der Grundsteinlegung war nicht zufällig: Exakt 130 Jahre zuvor, am 18. Oktober 1781, kapitulierte die britische Armee bei Yorktown. Der Unabhängigkeitskrieg war entschieden. Kommandierender General auf amerikanischer Seite in dieser entscheidenden Schlacht des Bürgerkriegs war George Washington.

Warum der 36-jährige Architekt John Russel Pope den Auftrag bekam, wissen wir nicht. Aber man darf ruhig davon ausgehen, dass er Freimaurer war und einen hohen Rang in der Hierarchie des Schottischen Ritus innehatte. Für ihn bedeutete der Entwurf, den Zeitgenossen ein „anbetungswürdiges“ Bauwerk von „kraftvoller Würde“ nannten, zum Durchbruch. Pope leitete in der Folge den Umbau der Nationalgalerie, war Architekt des National Archivs und legte die ersten Entwürfe für das Jefferson Memorial vor. Auftraggeber für diese Bauten war Franklin Delano Roosevelt, ein Freimaurer.


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